Full text : Dr. J. Milbiller's kurzgefasste Geschichte des Königreichs Bayern.

—  19  —

und  Mißmuth  der  Arbeiter  hinderten  die  Vollendung.  Tausend
Jahre  konnten  bei  Weißenburg  die.  Spuren  dieses  Werkes  nicht
vertilgen.  Biel  that  er  auch  zur  Verherrlichung  und  Verbesserung
des  Gottesdienstes.  Er  schmückte  die  Kirchen,  bieß  die  hl.  Schrif-,
ten  und  die  der  Kirchenväter  beim  Gottesdienste  nu#nlesen,  und  ordnete
  diesen  nach  römischem  Cultus,  So  Vieles  und  so  Großesvollbrachte
  Karl.  —

–  --  -  —  Js-Zweiter

  Abschnitt.

Unter  Karls  Nachfolgern  geraͤth  Bayern  durch  innere

Unruhen  und  Einfälle  fremder  Völker  in  einen  unglücklichen

  Zustand.  Karl  des  Großen  Nachkommen.  814—3845,
S.  1.

Karl  der  Große  starb  höchbetagt  814.  Beti  seinem  Tode  lebte
von  ihm  nur  ein  Sohn,  Ludwig  der  Fromme,  und  ein  Enkel
Bernhard.  Zwei  andere  Söhne,  Pipin,  Bernhards  Vater  und
Karl!  starben  vor  ihm  (310  u.  811).  Ludwig  der  Fromme  selbst,
der  auf  Karl  folgte,  hatte  drei  Söhne,  Lothar,  Pipin  und  Ludwig.
Dem  ersten  überließ  er  gleich  nach  dem  Antrikte  seiner  Reglerung
Bapern,  unter  dem  Titel  eines  Königreichs.  Seinem  zweikeh
Sohne  Pipin  gab  er  Aqgquitanien;  den  dritten  aber,  Ludwig,  der
noch  unmündig  war,  bebielt  er  indessen  bei  sich,  Berthard,  Sohn
seines  verstorbenen  Bruders  Dipin,  erhielt  von  ihm  Italien,  Mit
dieser  Theilung  schienen  alle  Prinzen  zufrieden,  und  wahrscheinlich
würden  sich  alle  ganz  ruhig  verbalten  haben,  wenn  er  es  dabel
hätte  bewenden  lassen.  Allein  unglücklicher  Weise  nahm  er  schon
im  dritten  Jähre  nach  derselben  eine  zweite  Theilung  vor.  In
derselben  blieb  zwar  seinem  zweiten  Sohne  Pipin  Aguitanien;
aber  seinem  dritten  Sobne  Ludwig  ertheilte  er  Bapern  nebst  Böhmen,
  Käruthen  und  allem  Lande,  welches  an  die  Wohnsitze  dee
Wenden  und  Avaren  gränzte,  als  ein  zur  fräukischen  Monarchie
gehöriges  Königrelch;  und  seinem  ältesten  Sohne  Lokhar  räumte
er  alle  übrigen  Länder  ein,  ertheilte  ihm  den  Kaisertitel,  und  übertrug
  ihm  sogar  die  Mitregentschaft  im  Kaiserthume.  Eben  diese
Erhebung  des  ältesten  erweckte  die  Eifersucht  der  jüngern  Söhne,

2  K