Full text : Hindenburg, Erzberger, Kapp

werden  seine  letzte  Stunde  umgellen.  Sein  Geschick  fordert
nicht  Mitleid.  Seine  Schuld  heischt  Gericht.

Vorerst  wird  nur  moralisch  der  Stab  über  ihn  gebrochen,
  noch  ist  er  nicht  Angeklagter,  sondern  Nebenkläger
und  Zeuge,  und  es  ist  fraglich,  ob  die  Hehler  seiner  Taten,
unsere  jetzigen  Regenten,  ihn  überhaupt  je  der  irdischen  Gerechtigkeit
  ausliefern  werden;  aber  er  wird  ihr  trotzdem  nicht
für  immer  entgehen.  Als  Zeuge  in  eigener  Sache  stolpert  er
immer  mehr,  liegt  heute  wieder  einmal  längelang  in  den
Stacheln.  Er  hat  immer  nach  der  Seite  des  Reichswirtschaftsministeriums
  ausbrechen  wollen,  wo  Herr  Hirsch  waltet
und  noch  der  eine  oder  andere  Erzbergerfreund.  So  sollte
dieses  Ministerium  den  Kommerzienrat  Berger  in  die
Wiederaufbaukommission  berufen  haben,  bis  es  sich  erwies,
daß  es  ihn  nur  von  Erzberger  übernommen  hatte;  und
so  sollte  es  auch  die  anderthalb  Milliarden  Entschädigung
  für  die  deutschen  Reeder  besorgt  haben,  während  der
Hapag-Aktien-Inhaber  Erzberger  an  dieser  Aktion  ganz  unbeteiligt
  gewesen  sei,  bis  endlich  heute  in  dieser  Sache  die
Wahrheit  herauskommt.  Nun  hat  der  Zeuge  Erzberger  vorher
  beileibe  keinen  Meineid  geschworen.  Er  hat  nur  gesagt,
er  habe  mit  der  Entscheidung  nichts  zu  tun  gehabt,  weil  sie
zum  „Geschäftsbereich  des  Reichswirtschaftsministeriums“  gehöre,
  und  das  sei  so  zu  verstehen,  sagt  er  heute  (wo  ihm  nachgewiesen
  wird,  daß  er  selber  verhandelt  und  versprochen  hat),
daß  dieses  Ministerium  als  „federführendes  Ressort“  gedient
habe.  Das  ist  sein  letztes  Stolpern  zum  Sprung.  Denn  im
nächsten  Augenblick  legt  Rechtsanwalt  Dr.  Alsberg  den  Vertrag
  selbst  auf  den  Tisch,  der  zwischen  den  Reedern  und  dem
Reiche  geschlossen  ist  —  Undunter  diesem  Vertrage
prangt  Erzbergers  eigenhändige  AUnterschrift.
  Vorher,  als  sie  noch  billig  waren,  hat  Erzberger
Schiffahrtsaktien  gekauft;  einige  Monate  später  hat  er  sie  nun

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