Full text : Reichs-Gesetzblatt. 1909. (43)

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Das  Gouvernement  von  Togo  beabsichtigt,  künftig  in  Baumwollfragen  nach  Kalenderjahren

zu  rechnen.

hier  mitgeteilt.  Es  beträgt:

Das  Ergebnis  für  das  letzte  Viertel  des  Kalenderjahres  1911  sei  daher  gleichfalls
10  950  kg  =  43,8  Ballen  (à  250  kg)  aus  dem  Bezirk  Anecho.  In

den  übrigen  Bezirken  wurde  Baumwolle  während  dieser  Zeit  nicht  entkernt.

Kus  dem  Arbeitsbereich  des  Kolonial-Wirtschaftlichen  Komitees.“)

Die  Arbeiterfrage  in  den  Kolonien.

Bei  der  kürglich  stattgehabten  Vorstandssitzung
des  Kolonial-Wirtschaftlichen  Komiteces  war
u.  a.  auch  die  Arbeiterfrage  in  den  Rolonien
Gegenstand  der  Verhandlungen.

Betreffs  Ostafrikas  wies  Direktor  Lange,  Vorsitzender
  des  Verbandes  Deutsch-Ostafrikanischer  Pflauzungen,
  darauf  hin,  daß  die  Lage  der  Pflanzungsunternehmungen
  sich  dort  schwierig  gestalte.  Schon
im  Jahre  1909  waren  auf  den  Plantagen  etwa  32  000
Neger  und  bei  den  Bahnbauten  13  000  beschäftigt;
zur  Zeit  benötigen  die  Plantagen  etwa  50  000  und  die
CEisenbahnbauten  etwa  15  000;  in  naher  Frist  dürfte
mit  einem  Arbeiterbedarf  von  100  000  Mann  für  die
ostafrikanischen  Plautagen  zu  rechnen  sein.  Schon  seit
mehreren  Jahren  beschäftigt  sich  der  Verband  Deutsch-Ostafrikanischer
  Pflangungen  eingehend  mit  der  Arbeiterfrage.
  Zur  Zeit  würden  in  einer  besonderen  Rommission
des  Verbandes  Vorschläge  an  die  Regierung  beraten,
dic  eine  gründliche  Ordnung  der  Arbeiterwerbung
unter  Beihilfe  von  Regierungsmasnahmen  anstrebten.
Es  stünden  Millionen  in  Plantagen  investierten  Napitals
  auf  dem  Spiel,  und  es  bestehe  die  Gefahr,  daß
eine  erhebliche  Angahl  solcher  Unternehmungen  wegen
Arbeitermangels  unrentabel  werde  und  verschiedene
wohl  auch  liquidieren  müßten.  Dies  wäre,  abgesehen
von  empfindlichen  finanziellen  Verlusten,  auch  aus  dem
Grunde  besonders  zu  bedauern,  weil  die  Plantagenwirtschaft
  einen  Kulturträger  darstelle,  der  belehrend
und  fördernd  auf  die  Arbeit  der  Eingeborenen  wirte,
und  der  in  wirtschaftlicher  Beziehung  für  die  Rolonie
durch  Geldumsatz  und  Werterzeugung  in  erster  Reihe
stehe.

Bezüglich  der  westafrikanischen  Kolonien  führt
Direktor  Ladewig,  Vorsitzender  der  Vereinigung
Kamernner  Pflangungen  aus,  daß  in  Togo  die  Arbeiterfrage
  bei  der  geringen  Zahl  der  vorhandenen  europäischen
  Pflanzungen  bisher  keine  Schwierigkeiten  bereitet
  habe  und  daß  auch  für  weitere  Plantagen  noch
genügend  Arbeitskräfte  in  der  Kolonie  selbst  beschafft
werden  könnten.  In  Ramerun,  wo  heute  auf  einem
bepflanzten  Arcal  von  17000  ha  bereits  etwa  10  000
Arbeiter  beschäftigt  werden,  liegen  die  Uerhältnisse
ernster.  Wenn  heute  der  Bedarf,  sei  es  auch  mit
Schwierigkeiten.  noch  immer  gedeckt  werden  konne,  so
müsse  damit  gerechnet  werden,  daß  sowohl  die:  Zunahme
der  Plantagen,  als  auch  die  voraussichtlich  in  weit
stärkerem  Masee  erforderlich  werdende  Arbeiterzahl  derselben
  mit  Eintritt  der  Zapfreife  der  Hevea-  Rautschukbäume,
  binnen  kurzem  die  Arbeiterbeschaffung  immer
schwieriger  gestalten  werde.  Indessen  erscheine  diese  bei
dem  Entgegenkommen  der  Regierung  möglich.  Als
Leitsätze  stellt  der  Referent  auf,  es  müsse  angestrebt
werden,  daß  1.  die  Anwerbung  sowohl  für  die  Pflanzungen
  als  auch  für  die  kaufmännischen  Firmen  durch
das  Gonvernement  geschieht,  2.  daß  die  Vertragsdauer
auf  18  Monate  festgesetzt  wird,  3.  daß  die  Saßhaftmachung
  von  Arbeitern,  namentlich  auf  den  Pflangungen,
gefördert  wird  durch  weitgehende  Erlaubnis  der  Abwanderung
  von  Frauen  aus  den  einzelnen  Bezirken
auf  die  Pflanzungen,  4.  daß  jede  Anwerbung  nach
anderen  Gebieten  unbedingt  untersagt  bleibt.

 

Südwestafrikas  stellt  Gouverneur
  z.  D.  v.  Beunigsen,  Vorstand  der  Deutschen
Kolonial-Gesellschaft  für  Südwestafrika.  fest,  daß  die
Arbeiterverhältnisse  auch  dort  sich  immer  schwieriger
gestalten.  Am  intensivsten  und  wegen  der  Kapitalbeteiligung
  in  der  Heimat  am  fühlbarsten  treie  der
Arbeitermangel  bei  den  bergbaulichen  Betrieben  hervor.
Die  im  wesentlichen  jent  mit  ihren  Arbeiten  fertigen
Eisenbahngesellschaften  haben,  da  die  aucoreichende
Arbeiterbeschaffung  in  der  Kolonie  für  sie  von  vornbherein
  unmöglich  war,  sich  vieler  kapländischer  Vertragsarbeiter
  bedient.  Diese  Arbeiter  kehrten  nun  in  ihre
Heimat  zurück,  so  daß  auch  der  Abschluß  der  Eisenbahnbauten
  den  Bewohnern  der  Kolonie  die  Arbeiterbeschaffung
  nicht  erheblich  erleichtere.  Es  sei  klar,  daß
die  menschenarme  Kolonie  für  dus  dortige,  rasch  aufstrebende
  Wirtschaftsleben  die  nötigen  Arbeiter  allein
nicht  stellen  könne.  Die  Regierung  habe  sich  daher
eingehend  mit  der  Arbeiterfrage  beschäftigt  und  durch
Verordnung  vom  16.  Dezember  1911  den  Bezug  von
Arbeitern  aus  dem  Ambolande  geregelt.  Der  Absicht
der  Otavi-(Gesellschaft,  versuchsweise  chinesische  Arbeiter
ein  zuführen,  habe  sich  die  Kolonialverwaltung  bisher
nicht  geneigt  gezeigt.  Die  naheliegendste  Abhilfe  sieht
der  Referent  in  der  weiteren,  aber  vorsichtigen  Erschließung
  der  im  Ambolande  liegenden  Arbeiterquelle
und  die  Hege  und  Pflege  der  im  Norden  des  Schutngebietes
  noch  vorhandenen  Herero  und  Bergdamara.
die  viel  bessere  Arbeiter  als  die  Ovambo  seien.  Sodann
käme  die  Auwerbung  von  Arbeitern  aus  dem  Belhgischen
Kongo  in  Frage.  Ferner  sollte  man  sich  gegenüber  dem
Bezug  von  chinesischen  Arbeitern  nicht  grundsätzlich
ablehnend  verhalten.

Herr  v.  Beck,  Direktor  der  Neu  Guinca  Compagnic.
berichtet  über  die  Arbeiterverhältnisse  in  Neuguinca.
Der  Gesamtbestand  der  unter  RKontrakt  stehenden  Arbeiter
  in  ganz  Neuguinea  betrug  am  1.  Jannar  1911
—  10  984  bei  einem  bepflanzten  Gesamtareal  von
23  834  hn.  In  diesem  Bestand  seien  aber  auch  die
in  den  kaufmännischen  BVetrieben,  auf  den  Schiiffen,
als  Diener  und  im  OHandel  beschäftigten  Leute  enthalten,
  so  daß  für  die  reinen  Pflangungosarbeiten
nur  etwa  7000  bis  8000  übrig  blieben.  Daraus  erhelle,
  daß  schon  jetzt  die  vorhandenc  bepflan  zte  Bodenflüche
  nicht  ausreichend  bedient  werden  könne.  Es
müßten  neue  Gebiete  erschlossen  werden,  insbesondere
von  Kaiser-Wilhelmsland,  um  Arbeiter  für  die  Neuanlage
  von  Pflangungen  zu  gewinnen.  Gegenüber
dem  Versuch,  aus  dem  alten  Schuygebiet  Deutsch-Neuguinea
  Arbeiter  für  andere  Kolonien  anzuwerben,
macht  der  Referent  geltend,  daß  dies  einen  Niedergang
der  ganzen  Plantagenkultur  zur  Folge  haben  würde.
Neuanlagen  würden  ausgeschlossen  bleiben  und  damit
die  Entwicklung  des  Landes  gehemmt  werden.

Zur  Arbeiterfrage  in  Samva  berichtet  Dr.  Oindorf,
  Direktor  der  Safata-Samoa-Gesellschaft  und
der  Samoa-Kautschuk-Compagnie  A.-G.,  daß  die  Eingeborenen
  von  Samoa  wenig  leistungsfähig  und  auch
wenig  geneigt  seien,  für  Lohn  in  Cnropäerbetrieben  zu
arbeiten.  Zur:  zeit  sei  man  in  Samoa  durchaus  auf

Hinsichtlich  Deutsch- 



*)  Vgl.  „D.  Kol.  Bl.“  1912,  S.  408ff.