Osten war noch keineswegs sichergestellt. Den Schlüssel für den Grund der
Verkennung der Lage gibt Falkenhayn, wenn er demerkt: der Zusammenbruch
der österreichisch-ungarischen Front im Sommer 1916 vor einem für die Verbältnisse
dee Ostiriegsschauplatzes sicher nicht üderlegenen Gegner sei ein Ereignis
gewesen, das nicht vorhergesehen wurde und nicht vorhergesehen werden
konnte. Mit anderen Worten: der Russe war unterschätzt, der Bundeögenosse
in seiner jetzigen Verfassung nicht gering genug eingeschätzt worden.
Das waren die Grundlagen, auf denen sich Falkenhapne Plan zu einem
Ausfall im Westen aufdaute. Ein einfaches Berharren in der Defensive schien
ihm den Absichten des Gegners entgegenzukommen. Ein Unternehmen gegen
den englischen Ceil der Westfront schien ihm undurchführdar, well in Flandern
Witterung und Bodendeschaffenheit weltzlelende Unternehmungen bis in die
Mitte des Frühlinge verboten. Ubrigene hielt er einen Vorstoß gegen die Engländer
auch schon desbald für verfehlt, weil diese selbst im allergünstigsten Falle
ihrer völligen Verdrängung vom Festland ihren Kriegewillen schwerlich aufgeden
würden.
Es sei nötig, Frankreich in einer Weise zu treffen, die ihm vor Augen
fübre, daß es militärisch nichte mehr zu hoffen hade. Hamit werde England
„sein bestes Schwert aus der Hand geschlagen“.
Wie gründlich Falkenhapn ader die Kraft der französischen Vaterlandsliede
und Opferfreudigkeit unterschätzte, das geht aus der Begründung bervor,
mit der er selnem Odersten Kriegsberrn die Wahl der Angriffestelle und das
Ziel des Ausfalles empfehlen zu soilen glaubte. Wir müssen, um ihm Gerechtigkeit
widerfahren zu lassen, von vornherein darauf binweisen, daß das
Unternehmen gegen Derdun grundsäßtzich nicht als Durchbruchsversuch mit
großen strategischen Zielen geplant und angelegt war. So gering dewertete
er Frankrelche Widerstandskraft, daß er sie schon durch einen Vorstoß im Stile
seiner Gesamtkriegführung, also durch ein Unternehmen „mit degrenzten
Zielen“, zum Zusammendruch dringen zu können wähnte!
In seinem Weihnachtsbericht an den Kaiser schrieb er:
„Das zweifelhafte und über unsere Kraft gebende Mittel des
Massendurchbruchs ist dazu nicht nötig. Auch mit beschränkten Kräften
kann dem Zweck voraussichtlich Genüge getan werden. Hinter dem ent
zösischen Abschnict der Westfront gibt es t —W“* Jiele, für deren
die französische Führung gezwungen ist. den letzten Mann einzusetzen
so werden Frankreichs Kke## 6ss3s da es ein Auswelchen een ibt i
ob wir das Ziel selbst erreichen oder nicht. Tut fie es nicht — Spsen
unsere Hände, dann wird die moralische Wirkung in Frankre fuenn * sein.
Deutschiand wird nicht genwungen feln, sich für die räumlich en bdrn Operation
so zu verausgaben, daß alle anderen Fronten bedenklich entdlöht werden.
Ein solches Ziel sei Verdun — dort jägen die franzölischen Linien noch
immer knapp 20 Kilometer von den deutschen Bahnverdindungen entfernt
und dildeten eine ständige Bedrohung. Diese gelte es zu beseitigen.
Mehr hat Falkenhapn also jedenfalle dei der Anlage der Operation ursprünglich
nicht deadsichtigt. Der „Kritiker des Weltkrleges“ ist nicht ganz im
Recht, weim er Falkenhayn vorwirft, die nachträgliche Darstellung seiner Absichten
habe „aus der Not des Mißerfolges die Tugend dee Bescheldene“ gemacht.
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