Contents : Der Weltbrand. Deutschlands Tragödie 1914-1918. Erster Band. (1)

Osten  war  noch  keineswegs  sichergestellt.  Den  Schlüssel  für  den  Grund  der
Verkennung  der  Lage  gibt  Falkenhayn,  wenn  er  demerkt:  der  Zusammenbruch
der  österreichisch-ungarischen  Front  im  Sommer  1916  vor  einem  für  die  Verbältnisse
  dee  Ostiriegsschauplatzes  sicher  nicht  üderlegenen  Gegner  sei  ein  Ereignis
  gewesen,  das  nicht  vorhergesehen  wurde  und  nicht  vorhergesehen  werden
konnte.  Mit  anderen  Worten:  der  Russe  war  unterschätzt,  der  Bundeögenosse
in  seiner  jetzigen  Verfassung  nicht  gering  genug  eingeschätzt  worden.

Das  waren  die  Grundlagen,  auf  denen  sich  Falkenhapne  Plan  zu  einem
Ausfall  im  Westen  aufdaute.  Ein  einfaches  Berharren  in  der  Defensive  schien
ihm  den  Absichten  des  Gegners  entgegenzukommen.  Ein  Unternehmen  gegen
den  englischen  Ceil  der  Westfront  schien  ihm  undurchführdar,  well  in  Flandern
Witterung  und  Bodendeschaffenheit  weltzlelende  Unternehmungen  bis  in  die
Mitte  des  Frühlinge  verboten.  Ubrigene  hielt  er  einen  Vorstoß  gegen  die  Engländer
  auch  schon  desbald  für  verfehlt,  weil  diese  selbst  im  allergünstigsten  Falle
ihrer  völligen  Verdrängung  vom  Festland  ihren  Kriegewillen  schwerlich  aufgeden
  würden.

Es  sei  nötig,  Frankreich  in  einer  Weise  zu  treffen,  die  ihm  vor  Augen
fübre,  daß  es  militärisch  nichte  mehr  zu  hoffen  hade.  Hamit  werde  England
„sein  bestes  Schwert  aus  der  Hand  geschlagen“.

Wie  gründlich  Falkenhapn  ader  die  Kraft  der  französischen  Vaterlandsliede
  und  Opferfreudigkeit  unterschätzte,  das  geht  aus  der  Begründung  bervor,
mit  der  er  selnem  Odersten  Kriegsberrn  die  Wahl  der  Angriffestelle  und  das
Ziel  des  Ausfalles  empfehlen  zu  soilen  glaubte.  Wir  müssen,  um  ihm  Gerechtigkeit
  widerfahren  zu  lassen,  von  vornherein  darauf  binweisen,  daß  das
Unternehmen  gegen  Derdun  grundsäßtzich  nicht  als  Durchbruchsversuch  mit
großen  strategischen  Zielen  geplant  und  angelegt  war.  So  gering  dewertete
er  Frankrelche  Widerstandskraft,  daß  er  sie  schon  durch  einen  Vorstoß  im  Stile
seiner  Gesamtkriegführung,  also  durch  ein  Unternehmen  „mit  degrenzten
Zielen“,  zum  Zusammendruch  dringen  zu  können  wähnte!

In  seinem  Weihnachtsbericht  an  den  Kaiser  schrieb  er:

„Das  zweifelhafte  und  über  unsere  Kraft  gebende  Mittel  des
Massendurchbruchs  ist  dazu  nicht  nötig.  Auch  mit  beschränkten  Kräften
kann  dem  Zweck  voraussichtlich  Genüge  getan  werden.  Hinter  dem  ent
zösischen  Abschnict  der  Westfront  gibt  es  t  —W“*  Jiele,  für  deren
die  französische  Führung  gezwungen  ist.  den  letzten  Mann  einzusetzen
so  werden  Frankreichs  Kke##  6ss3s  da  es  ein  Auswelchen  een  ibt  i
ob  wir  das  Ziel  selbst  erreichen  oder  nicht.  Tut  fie  es  nicht  —  Spsen
unsere  Hände,  dann  wird  die  moralische  Wirkung  in  Frankre  fuenn  *  sein.
Deutschiand  wird  nicht  genwungen  feln,  sich  für  die  räumlich  en  bdrn  Operation
so  zu  verausgaben,  daß  alle  anderen  Fronten  bedenklich  entdlöht  werden.

Ein  solches  Ziel  sei  Verdun  —  dort  jägen  die  franzölischen  Linien  noch
immer  knapp  20  Kilometer  von  den  deutschen  Bahnverdindungen  entfernt
und  dildeten  eine  ständige  Bedrohung.  Diese  gelte  es  zu  beseitigen.

Mehr  hat  Falkenhapn  also  jedenfalle  dei  der  Anlage  der  Operation  ursprünglich
  nicht  deadsichtigt.  Der  „Kritiker  des  Weltkrleges“  ist  nicht  ganz  im
Recht,  weim  er  Falkenhayn  vorwirft,  die  nachträgliche  Darstellung  seiner  Absichten
  habe  „aus  der  Not  des  Mißerfolges  die  Tugend  dee  Bescheldene“  gemacht.

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