94 Hermann Schumacher
Ernte 1913 Schätzung Sept. 1914
Winterweieen 2 568 600 2 181 500
Sommerweien 574 000 520 200
Winterroggen 0 267 200 8 401 400
Sommerroggen 78 000 65 700
Sommergerst . . 2 107 100 1 704 800
Hafer 6 560 000 5 040 000
Kartoffen 50 215 000 54 223 000
Tach diesen Gahlen würde die diesjährige Roggenernte um rund 90%½,
die diesjährige Weizenernte um rund 15 %, sowie die diesjährige Kartoffelernte
um rund 13 % binter der Ernte des vorigen Jahres zurückbleiben,
was für ganz Deutschland einen Ausfall von etwas mehr als 1 Million
Tonnen Roggen, rund 200 000 Tonnen eizen und rund 2 Millionen
Tonnen Kartoffeln gegenüber dem Dorjahre bedeuten würde.
Allerdings erklärt sich dieser Ausfall zum Teil daraus, daß bei den
Schätzungen die beiden Regierungsbezirke Allenstein und Gumbinnen außer
Ansatz geblieben sind. Wie weit auf ihre Ernte gerechnet werden darf, ist
sehr fraglich, und anderseits ist der subjektive Charakter der Ernteschätzungen
in diesem Jahre dadurch noch beträchtlich verstärkt, daß infolge der Mobilmachung
fast ein Hiertel der Schätzungen ausgefallen ist und zahlreiche weitere
nicht von den bestellten Dertrauensmännern, sondern von den von ihnen
beim Fortgang ins Feld eingesetzten Dertretern vorgenommen worden
sind. Es feblt leider nicht an erfahrenen Stimmen, die behaupten, daß die
Ernte insbesondere an Hörnerfrüchten noch weiter hinter der vorjährigen
Ernte zurückbleibt, als die angeführten Schätzungszahlen angeben.
6. Da wir enodlich wahrscheinlich auch damit rechnen müssen, daß dem
verringerten Angebot insofern eine vergrößerte Machfrage gegenübertreten
wird, als das Brot in der Ernährung unserer Millionenbeere eine größere
Rolle als sonst spielt, die Kost für die immer mehr anschwellenden Scharen
von Gefangenen Brotgetreide stark beansprucht und die von uns besetzten
Gebiete im ganzen mehr Lebensmittel von uns fordern, als uns liefern,
so ist der ernste Schluß aus unserer Umschau, daß wir mit dem vorhandenen
vorrat an Lebensmitteln und insbesondere Brotgetreide in sorgsamster
Sparsamkeit wirtschaften müssen. Der rastlosen und erfolgreichen Arbeit
unserer Landwirtschaft haben wir es zwar zu danken, daß wir einen einheimischen
Dorrat an Lebensmitteln besitzen, mit dem unser Dolk während
des Krieges befriedigend auszukommen vermag, zumal da nie alle Einfuhr
versiegen wird, so rücksichtslos auch der Feind den Wirtschaftskrieg führt.
Aber dieser ersten hocherfreulichen Tatsache reiht eine zweite sich an, die
ernste Mahnung in sich schließt. Sie besteht darin, daß der Vorrat in diesem
Lriegsjahre nicht unbeträchtlich hinter dem Vorrat in den voraufgehenden
Friedenszeiten, der unseren heutigen Verbrauch bestimmend beeinflußt,
zurückbleibt. Halten wir daher unverändert unsere Friedensgewohnheiten
fest, dann kann unser Vorrat im KHKriege nicht bis zur neuen Ernte ausreichen;
doch können wir ohne allgemeine Wot auskommen, wenn wir unsere