Volltext : Reichs-Gesetzblatt. 1909. (43)

XVI

§ 14.
Gestalt,  Einrichtung  und  Bezeichnung.

1.  Es  finden  die  Vorschriften  für  Meßwerkzeuge  für  chemische  und  physikalische
  Untersuchungen  Anwendung.

2.  Auf  dem  Gerät  ist  die  Sperrflüssigkeit  anzugeben,  für  welche  es  bestimmt
  ist,  wobei  auch  übliche  Abkürzungen  benutzt  werden  dürfen  (z.  B.  Wasser,
H80,  Quecksilber,  Hg  benetzt,  Hg  trocken).  Die  Angabe  unterbleibt  bei  Geräten
mit  Längeneinteilung.

3.  Zulässig  sind  namentliche  Bezeichnungen  (z.  B.  Hempels  Bürette,
Nitrometer  nach  Lunge  und  andere).

§ 15.
Fehlergrenzen.

1.  Als  Fehlergrenzen  gelten  diejenigen,  welche  im  §  8  für  Meßwerkzeuge
für  chemische  und  physikalische  Untersuchungen  entsprechender  Art  festgestellt  sind,
wobei  Meßkugeln  wie  Kolben  zu  behandeln  sind.

2.  Für  geteilte  Geräte,  deren  Einrichtung  von  derjenigen  entsprechender
Meßwerkzeuge  für  chemische  und  physikalische  Untersuchungen  abweicht,  gilt  als
Fehlergrenze  für  jeden  Teilabschnitt  wie  für  den  Gesamtinhalt  der  Sollwert  eines
Abschnitts  von  1  Millimeter  Länge.  Liegen  die  Grenzmarken  eines  Abschnitts
in  Teilen  mit  verschiedenem  Durchmesser,  so  ist  dieser  Sollwert  für  die  Stelle
mit  dem  größeren  Durchmesser  anzusetzen.

3.  Meßwerkzeuge  mit  Längeneinteilung  sollen  ohne  ersichtliche  Einteilungsfehler
  sein,  dürfen  jedoch  nur  mit  einem  Schein,  der  die  in  der  Prüfung  ermittelten
  Fehlerangaben  enthält,  abgegeben  werden.

§ 16.
Stempelung.
Die  Stempelung  geschieht  wie  bei  den  Meßwerkzeugen  für  chemische  und
physikalische  Untersuchungen.  § 17.
Eichgebühren.

Für  Geräte,  welche  Meßwerkzeugen  für  chemische  Untersuchungen  entsprechen
kommen  die  für  diese  angesetzten  Eichgebühren  in  Anwendung.  Andere  Geräte
werden  wie  Büretten  behandelt.

§ 18.
Eichstellen.

Die  Eichung  erfolgt  durch  die  Kaiserliche  Normal-Eichungskommission  oder
unter  ihrer  unmittelbaren  Aufsicht  durch  Eichämter,  die  hierzu  im  Einvernehmen
mit  der  Kaiserlichen  Normal-Eichungskommission  ermächtigt  sind.

Berlin-Charlottenburg,  den  3.  August  1909.

Kaiserliche  Normal-Eichungskommission.
von  Sydow.

Berlin,  gedruckt  in  die  Reichsdruckerei.