Sonder-Amtsblatt
der Königlichen Regierung in Stertin.
Ausgegeben am 26. Januar 1916.
Befehl.
» Es hat sich herausgestellt, daß die russisch-polnischen Schnitter nach wie vor unter Deckadressen
korrespondieren und daß die Bewegung unter ihnen voraussichtlich nicht früher aufhört, als bis dieser
Schriftverkehr unterdrückt wird.
Auf Grund der 88 4 und 9 des Gesetzes über den Belagerungszustand bestimme ich daher für
den Bezirk des II. Armeekorps mit Ausschluß des Festungsbereichs Swinemünde:
1.
Die Beförderung von Postsachen, insbesondere Briefschaften oder Mitteilungen von
russisch-polnischen Schnittern auf anderem Wege als durch die Post wird hiermit ausdrücklich
verboten.
Die russisch-polnischen Schnitter dürfen Postsachen nur an die Ortspolizeibehörde
(Gemeinde= und Gutsvorsteher) zur Weiterbeförderung an die Post abgeben.
.An russisch-polnische Schnitter dürfen Postsachen, insbesondere Briefschaften oder Mitteilungen
nur durch die Ortspolizeibehörde (Gemeinde= oder Gutsvorsteher) übermittelt
werden, welcher die Postanstalten oder dritte Personen die Briefe zu übergeben haben.
Sollten sich beim Entleeren der Briefkästen Briefe vorfinden, die augenscheinlich von
Schnittern herrühren, so sind diese ebenfalls der Ortspolizeibehörde zu übergeben.
Den Ortspolizeibehörden (Gemeinde= oder Gutsvorstehern) ist es verboten, den Schnittern
Briefe auszuhändigen, in denen zur Rückkehr in die Heimat oder zur Abwanderung
in andere Arbeitsstellen aufgefordert wird.
Zuwiderhandlungen gegen diesen Befehl werden nach § 9b des Gesetzes über den Belagerungszustand
bestraft.
Dieser Befehl tritt mit der Verkündung in Kraft.
Stettin, den 25. Januar 1916.
Der stellvertretende Kommandierende General des II. Armeekorps.
Frhr. v. Bietinghoff,
General der Kavallerie à la suite des Kürassier-Regiments Königin.
Abt. Il#e Nr. 5013.
Schriftleitung im Bureau der Königlichen Regierung in Stettin. Druck von F. Hessenland G. m. b. H. in Stetlin.