Volltext : Reichs-Gesetzblatt. 1912. (46)

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    (4)  Um  die  Verwendung  der  der  Ansteckung  verdächtigen  Tiere  zur  Feldarbeit
oder  ihren  Auftrieb  auf  die  Weide  zu  ermöglichen  oder  zu  erleichtern,  dürfen  von
den  Tieren  zu  benutzende  öffentliche  Wege  vorübergehend  gegen  den  Verkehr  auch  von
Personen  gesperrt  werden.

                                                   §  190.

     (1)  Die  Polizeibehörde  kann  die  Ausfuhr  der  der  Ansteckung  verdächtigen
Tiere  zum  Zwecke  sofortiger  Schlachtung  gestatten:

      a)  nach  Schlachtstätten  am  Orte  oder  in  dessen  Umgebung;

      b)  nach  in  der  Nähe  liegenden  Eisenbahnstationen  oder  Häfen  (Schiffsanlegestellen)
  zur  Weiterbeförderung  nach  einem  öffentlichen  Schlachthaus,  voraus.-gesetzt,
  daß  die  Tiere  diesem  auf  der  Eisenbahn  oder  zu  Schiff  unmittelbar
  oder  von  der  Entladestation  aus  zu  Wagen  zugeführt  werden.

     (2)  Nötigenfalls  ist  anzuordnen,  daß  auch  die  Überführung  nach  den  unter  à

und  b  erwähnten  Schlachtstätten,  Eisenbahnstationen  und  Häfen  zu  Wagen  erfolgt.

     3)  Durch  Vereinbarung  mit  der  Eisenbahn-  oder  sonstigen  Betriebsverwaltung
und,  soweit  nötig,  durch  polizeiliche  Begleitung  ist  dafür  Sorge  zu  tragen,  daß  eine
Berührung  mit  anderem  Rindvieh  auf  dem  Transporte  nicht  stattfinden  kann.

    (4)  Die  Polizeibehörde  des  Schlachtorts  ist  von  dem  bevorstehenden  Eintreffen
der  Tiere  rechtzeitig  zu  benachrichtigen.

    (3)  Die  Schlachtung  muß  unter  polizeilicher  Uberwachung  stattfinden,  wenn
sie  nicht  in  einem  öffentlichen  Schlachthaus  vorgenommen  wird,  wo  die  Schlachtviehund

  Fleischbeschau  durch  Tierärzte  erfolgt.  Vom  beamteten  Tierarzt  ist  festzustellen,
ob  und  welche  Tiere  mit  der  Lungenseuche  behaftet  waren.

                                                     §  191.

Werden  verdächtige  Tiere  in  verbotswidriger  Benutzung  oder  außerhalb  der
ihnen  angewiesenen  Räumlichkeit  oder  an  Orten)  zu  denen  ihr  Zutritt  verboten  ist,
betroffen,  so  kann  ihre  sofortige  Tötung  angeordnet  werden.

                                                       §  192.

    (1)  Bricht  die  Lungenseuche  bei  Rindvieh  auf  der  Weide  aus,  so  kann  dessen
Aufstallung  angeordnet  werden.  Andernfalls  ist  über  die  Weide,  auf  der  sich  die
kranken  und  verdächtigen  Tiere  befinden,  die  Sperre  zu  verhängen  (§  22  Abs.  1,  4
des  Gesetzes).  Im  übrigen  ist  nach  den  §§  182  bis  191  sinngemäß  zu  verfahren.

    (2)  An  den  Eingängen  der  gesperrten  Weide  sind  Tafeln  mit  der  deutlichen
und  haltbaren  Aufschrift  Lungenseuche  leicht  sichtbar  anzubringen.

                                                           §  193.

Wird  die  Lungenseuche  oder  der  Verdacht  dieser  Seuche  bei  Tieren  fest.
gestellt,  die  sich  auf  dem  Transport  befinden,  so  ist  deren  Weiterbeförderung  zu
verbieten  und  die  Tiere  sind  abzusondern;  ebenso  ist  mit  den  der  Ansteckung  verdächtigen
  Tieren  zu  verfahren  (§  19  Abs.  1,  4  des  Gesetzes).