Full text : Lesebuch für Landwirtschaftliche Winterschulen und ähnliche Anstalten im Königreich Bayern.

—  213  —

Schwindel,  Kopfschmerz,  Schläfrigkeit,  Beklommenheit  und  Trockenheit
im  Schlunde  ein.

Dadurch,  daß  man  die  Zigarren  zwischen  den  feuchten  Lippen  hält,
gelangt  außer  dem  Rauche  beständig  Nikotin  in  den  Mund.  Und  diese
Menge  dürfte  unter  Umständen  noch  größer  sein  als  diejenige,  welche  durch
den  Rauch  dem  Körper  zugeführt  wird.

Aber  auch  der  aus  dem  brennenden  Tabak  sich  entwickelnde  Rauch
hat  giftige  Bestandteile.  Sie  entstehen  eben  erst  durch  die  Einwirkung
der  Wärme  auf  die  übrigen  Bestandteile  der  Tabakblätter,  sind  also  Zer—
setzungsprodukte  derselben.  Es  findet  in  der  Zigarre  oder  in  der  Pfeife
ein  ähnlicher  Vorgang  statt  wie  in  der  Gasretorte,  wenn  in  einer  solchen  Holz,
Braunkohlen  und  Steinkohlen  erhitzt  werden.  Daher  sind  auch  die  hierbei
entstehenden  Produkte  teeriger  Natur.  Wir  finden  dieselben  giftigen  Stoffe,
die  aus  dem  Steinkohlenteer  abgeschieden  werden  können,  darin  wieder
und  in  Dampfform  auch  im  Tabakrauch.  Außer  vielen  anderen  Stoffen
konnten  kleine  Mengen  von  Schwefelwasserstoff  und  Blausäure  (Cyanwasserstoff)
  sowie  von  Kohlenoxydgas  und  Kohlensäure  im  Tabakrauch  nachgewiesen
  werden.

Aus  alledem  geht  also  unzweifelhaft  hervor,  daß  das  Tabakrauchen
in  mehrfacher  Hinsicht  Gefahren  für  die  Gesundheit  zur  Folge  haben  kann:
nämlich  beim  Zigarrenrauchen  durch  die  unmittelbare  Aufnahme  von  Nikotin
  von  seiten  der  feuchten  Lippen  und  beim  Zigarren=  und  Pfeifenrauchen
durch  den  entstehenden  Rauch,  welcher  dem  Körper  andere  Giftstoffe  zuführt.
  Außer  dieser  unmittelbaren  kommt  aber  auch  noch  eine  mittelbare
Wirkung  in  Betracht,  die  eine  Schädigung  der  Gesundheit  mit  sich  bringen
kann.  So  lange  sich  nämlich  Rauch  in  der  Mundhöhle  und  den  Luftwegen
befindet,  ist  selbstverständlich  die  Menge  von  atmosphärischer  Luft  (Sauerstoff)
  auf  das  geringste  Maß  herabgedrückt.  Nun  wird  zwar  der  Rauch  wieder
  ausgestoßen.  Und  in  demselben  Augenblicke  tritt  auch  wieder  frische
Luft  in  den  Mund.  Aber  die  Menge  der  Luft,  die  in  einer  bestimmten  Zeit
den  Lungen  zugeführt  wird,  ist  doch  immerhin  bedeutend  geringer,  als  wenn
in  derselben  Zeit  kein  Tabakrauch  in  den  Mund  gelangt  wäre.  Gerade
hierin  liegt  die  große  Schädlichkeit  des  Rauchens  für  die  Jugend,  die  noch
im  Wachsen  und  in  der  körperlichen  Ausbildung  begriffen  ist.  Der  Stoffwechsel
  wird  durch  das  Rauchen  gehemmt  und  hierdurch  die  Entwicklung  des
Körpers  zurückgehalten,  und  zwar  in  einer  Zeit,  in  welcher  dies  gerade  am
allerwenigsten  stattfinden  sollte.  Durch  die  infolge  des  Rauchens  verminderte
Luftzufuhr  erleidet  der  gesamte  Stoffumsatz  eine  Verzögerung  und  die
Ausbildung  des  Körpers  eine  Beeinträchtigung,  zumal  durch  das  Rauchen
auch  die  Eßlust  vermindert  und  das  Bedürfnis  nach  Trank  erhöht  wird.
Vermehrte  Speichelabsonderung,  Hustenreiz,  Kopfschmerz,  Schwindel
bilden  den.  Anfang  der  langen  Reihe  von  Leiden,  die  durch  zu  frühes  und
zu  vieles  Rauchen  in  immer  höherem  Grade  sich  einstellen  und  mit  Verdauungsbeschwerden,
  Krankheiten  des  Zentralnervensystems,  Neuralgie
leinsetiigem  Gesichtsnervenschmerz),  Gliederreißen,  ja  selbst  mit  frühzeitigem

ode  enden.