Metadata : Geschichte der Hohenzollern.

willkürlich  zu  schalten.  Daher  entwarfen  sie  zu  ihrer  Wahrung  eine  Assecuration
dem  Kurfürsten  zur  Unterschrift,  und  forderten  durch  diese  nicht  nur  die  eidliche
Bestätigung  ihrer  Privilegien,  sondern  auch,  daß  der  Kurfürst  ohne  ihre  Bewilligung
  keinen  Krieg  anfange,  kein  Bündniß  schließe,  keine  fremden  Truppen
ins  Land  bringe,  das  an  Polen  zu  stellende  Contingent  aus  seinen  Domänen
unterhalte,  keine  neuen  Zölle  und  Abgaben  einführe  und  Streitigkeiten  zwischen
ihm  und  den  Unterthanen  vierzehn  Tage  vor  Eröffnung  des  Landtages  durch
Standesgenossen  und  Schöffen  entscheiden  lasse.  Der  Landtag  solle,  auch  ohne
vom  Fürsten  berufen  zu  werden,  alle  zwei  Fahre  zusammentreten,  und
die  Stände,  wenn  ihre  Rechte  und  Privilegien  verletzt  würden,  bis  zur  Herstellung
  derselben  ihres  Eides  entbunden  sein.

Das  wäre  in  der  That  eine  Verfassung  gewesen,  welche  jegliche  geregelte
Regierung  unmöglich  gemacht  hätte.  Wer  weiß  nicht,  wie  leicht  in  Verfassungs=Ungelegenheiten
  Rechtsbedenken  erhoben  werden  können!  Daher  verwarf  denn
auch  Friedrich  Wilhelm  mit  großem  Unwillen  diese  Assecuration  und  ließ  den
Ständen  den  Entwurf  einer  neuen  Verfassung  vorlegen,  allein,  was  schon  von
vornherein  großes  Mißvergnügen  erregte,  in  der  Form  eines  Landtagsabschiedes.
bereits  unterschrieben  und  untersiegelt.

In  Bezug  auf  die  ständischen  Privilegien  fand  sich  nichts  weiter  darin,
als  eine  Bestätigung  derselben,  insofern  sie  seiner  Souveränetät  nicht  entgegen
wären.  Welcher  Unbefangene  wird  sich  wundern,  daß  die  Stände  ihrerseits  über
eine  solche  Forderung  verletzt  waren!  Mit  vollem  Rechte  durften  sie  erwiedern,
daß  der  König  von  Polen  dem  Kurfürsten  doch  nicht  mehr  habe  abtreten  können,
als  er  selbst  besessen,  und  solche  Bestimmungen  seien  ihnen  nie  von  der  Krone
Polen  aufgedrungen  worden.  Vergebens  suchten  die  Oberräthe  wenigstens  dahin
zu  wirken,  daß  die  Stände  zur  Berathung  über  die  ihnen  vorgelegte  Proposition
schritten,  allein  selbst  die  bisher  noch  ziemlich  fügsamen  Landräthe  wiesen  auch
diese  Zumuthung  zurück,  weil  der  ohne  ihre  Zuziehung  von  Ausländern  und
außerhalb  Preußens,  der  Landesordnung  entgegen,  verfaßte,  vom  Kurfürsten
schon  vollständig  genehmigte  Rezeß  ihnen  nicht  zur  Prüfung,  sondern  als
Vorschrift  gegeben  sei,  und  eine  Berathung  desselben  schon  ihre  altherkömmlichen
  Rechte  präjudicire.

Der  Kurfürst  suchte  nun  die  aufgebrachten  Gemüther  dadurch  zu  besänftigen,
  daß  er  die  bisher  willkürlich  erhobene  Accise  abschaffte.  Der  Landtag
wurde  des  Weihnachtsfestes  wegen  noch  einige  Wochen  ausgesetzt,  bei  Wiedereröffnung
  desselben  (1662)  konnte  man  den  Ständen  mittheilen,  daß  außer  der
Beseitigung  der  Aceise  auch  ein  großer  Theil  des  Heeres  entlassen  sei,  dagegen
erwarte  man  um  so  sicherer,  daß  sie  über  seine  Vorlage  zu  einer  neuen  Regierungsform
  sich  berathen  würden.

Der  Adel  wollte  um  so  weniger  auf  Zumuthungen  der  Art  eingehen,
weil  man  während  der  Zeit  sich  der  Person  des  ältern  Kalckstein  bemächtigt
und  so  den  Prozeß  gegen  ihn  mit  der  Vollstreckung  angefangen  hätte.  Zwar