Metadata : Reichs-Gesetzblatt. 1872. (6)

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2)  Vergehen  wider  §.  114,  wenn  die  strafbare  Handlung  nur  in  dem
Borgen  von  Geld  oder  in  der  Annahme  von  Geschenken  ohne  Vorwissen
  des  gemeinschaftlichen  Vorgesetzten  besteht.

Jedoch  darf  im  Disziplinarwege  keine  andere  Freiheitsstrafe,  als  Arrest
festgesetzt  werden,  und  die  Dauer  desselben  vier  Wochen  gelinden  Arrestes  oder
Stubenarrestes,  drei  Wochen  mittleren  Arrestes  oder  vierzehn  Tage  strengen
Arrestes  nicht  übersteigen.

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Kaiserlichen  Insiegel.

Gegeben  Schloß  Babelsberg,  den  20.  Juni  1872.

(L.  S.)  Wilhelm.
Fürst  von  Bismarck.

 

(Nr.  838.)  Militär-Strafgesetzbuch  für  das  Deutsche  Reich.  Vom  20.  Juni  1872.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  Deutscher  Kaiser,  König
von  Preußen  etc.

verordnen  im  Namen  des  Deutschen  Reichs,  nach  erfolgter  Zustimmung  des
Bundesrathes  und  des  Reichstages,  was  folgt:

Einleitende  Bestimmungen.

§.  1.

Eine  Handlung,  welche  dieses  Gesetz  mit  dem  Tode,  mit  Zuchthaus,  oder
mit  Gefängniß  oder  Festungshaft  von  mehr  als  fünf  Jahren  bedroht,  ist  ein
militärisches  Verbrechen.

Eine  Handlung,  welche  dieses  Gesetz  mit  Freiheitsstrafe  (§.  16)  bis  zu
fünf  Jahren  bedroht,  ist  ein  militärisches  Vergehen.

§.  2.

Diejenigen  Bestimmungen,  welche  nach  den  Vorschriften  des  Deutschen
Strafgesetzbuches  in  Beziehung  auf  Verbrechen  und  Vergehen  allgemein  gelten,
finden  auf  militärische  Verbrechen  und  Vergehen  entsprechende  Anwendung.

§.  3.

Strafbare  Handlungen  der  Militärpersonen,  welche  nicht  militärische
Verbrechen  oder  Vergehen  sind,  werden  nach  den  allgemeinen  Strafgesetzen

beurtheilt.