Full text : Geschichte der Deutschen Frauenwelt. Zweiter Band. (2)

144  Buch  III.  Kap.  4.

und  verdienstlich,  das  Zaubern  sündhaft  und  strafbar,
denn:  „Die  Zauberinnen  sollst  du  nicht  leben  lassen!“
hatte  schon  das  mosaische  Gesetz  geboten  (Mose,  II,  22,  18).
Der  Teufel,  in  seinem  beständigen  Kriege  gegen  das  Reich
Gottes  der  Parteigänger  bedücftig,  verleiht  seine  Zaubermacht
  an  Menschen,  natürlich  gegen  entsprechendes  Aequivalent,
  d.  h.  die  Zauberer  und  Zauberinnen  müssen  Gott
absagen  und  dem  Fürsten  der  Hölle  ihre  Seele  verpfänden.
Auf  diesem  Verhältniß  beruhte  die  ganze  „schwarze  Magie“,
jener  mittelalterliche  Glaube  an  den  Bund  des  Menschen
mit  dem  Teufel,  welcher  in  unserer  Faustsage  eine  so
hochpoetische,  durch  den  Genius  Göthe's  zur  modernen
Universaldichtung.  umgeschaffene  Gestaltung  gewonnen
hat.  Zum  Hausrath  der  schwarzen  Magie  aber  gehörten
alle  die  bunten  und  tollen,  wunderlichen  und  ekelhaften
Meinungen  und  Praktiken  vom  Verzaubern  und  Verwandeln,
  vom  Geisterbeschwören  und  Geistererlösen,  vom
Wind=  und  Wettermachen,  vom  Krank=  und  Lahmsprechen,
vom  Schatzheben,  Nestelknüpfen,  Schloßschließen,  Vernageln,
  Treffschießen,  Festmachen  und  Diebstahlweisen,
von  der  Milchentziehung,  von  Alraunen,  vom  Glücksoder
  Galgenmännlein  („spiritus  familiaris)  112),  von
Liebeszauberbildern  und  Liebestränken  113)  —  alle  die

112)  Eine  sehr  geist=  und  phantasievolle  dichterische  Behandlung
  dieses  Volksglaubens  gibt:  „Der  spiritus  familiaris  des  Roßtäuschers“
  von  Annette  von  Droste-Hülshof,  Gedichte,  S.  365  fg.

113)  Der  Glaube  an  die  Wirkung  der  Liebestränke  („Liebgifte“,
  die  philtra  der  Griechen  und  Römer)  war  noch  im  3.  Decennium
  des  18.  Jahrhunderts  sehr  verbreitet.  So  sagt  Kräutermann