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der Landstände kaum noch Ueberreste der alten, unerschrockenen
Vertheidigung der Frcihciten des Landes!
Das Volk im Lande glaubt kaum noch, daß der deutsche
Kaiser auch sein Kaiser sey. Sein Herzog oder sein Landgraf
ist nun sein Kaiser geworden; Gott im Himmel noch
ausgenommen, ist nichts über ihm. Das Ober-Appellations=Gericht
des Landes, das zwar gewöhnlich aus Männern besteht,
die auf die liebe, heilige Justiz geschworen, besteht ost doch in
der Residenz des Fürsten; es athmet Hofluft; es
gedeiht auch von Hofluft, und so mancher wackere Assessor
desselben, der Söhne zu versorgen und Tochter zu verheirathen
hat, der ein grundehrlicher und — bedürftiger Mann ist, kann
treudevotest niemals vergessen, wie überhuldreich und gnädig
sein Landesvater und Herr getreue Unterthanen belohne.
Mich dünkt, in den Senenzen des hanndve r'schen Ober-Appellations-Gerichtes
sey doch wohl zu finden, daß
das Tribunal nicht in Hannover, sondern zu Zelle sey, wenn
etwa auch Hannover selbst ein halb Dutzend Residenz-Eigenheiten
weniger haben moͤchte, als vielleicht Dresden und
Kassel und Darmstadt haben.
Doch auch Wien ist eine Residenz und auch Wetzlar
liegt unmittelbar unter dem Monde. Oie politischen Spekulationen,
wo man auf Jahrhunderte hin ein zuverläßigeres
Recht finden möchte, sind gar zu unsicher, die Wahl zwischen
uneingeschränkten Gerichtsprivilegien des Fürsten und der
hektischlangsamen Justiz des Reichs mochte schwer seyn. Laßt
es gut seyn, wie es einmal ist. Die interessanteste Frage,
der es nun noch gilt, ist nicht politisch, sondern historisch.
Die interessanteste Frage ist: war um hat je der Kaiser,
unge zwungen und ungedrängt, sein trefflichstes
hohes Regale aufgegeben? Warum auch nur
einmal ein Opfer dieser Art gethan? Warum