Metadaten : Geschichte der Königlich Preussischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Erster Band Erste Hälfte.

30  Vorgeschichte  der  Akadeınie.

königlicher  Societäten  zur  Erforschung  der  Natur  geschehen  ist  und
in  Dänemark.  Schweden  und  Toscana  demnächst  geschehen  wird.
Die  deutschen  privaten  Societäten  sind  ganz  unzureichend.  Wir
müssen  uns  nunmehr  die  Englische  Königliche  Societät  zum  Muster
nehmen.  »Bei  dieser  Societät  thut  der  König,  der  Herzog  von  York,
Prinz  Rogert  und  viel  voruehme  Herren  das  ihrige,  nicht  dass  sie
an  deren  Leges.  an  persönliche  Comparition  und  dergleichen  onerosa
  und  solchen  hohen  Personen  unanständige  Dinge  sich  gebunden,
sondern  dass  sie  Sumptus  beitragen,  auf  ihre  Kosten  durch  ihre
Ministros  sowohl  Status  als  Privatos  correspondiren  lassen,  Alles,
was  sie  neues,  rares,  importantes  erfahren,  der  Societät  communieiren,
  die  Directores  der  Coloniarum,  die  Schiffs-Capitains,  verständige
  Marimiers....  befehligen  und  anmahnen,  keine  Gelegeuheit
  zu  versäumen,  dadurch  etwas  neues,  merkwürdiges  untersucht
und  in  hoc  aerarium  eruditionis  solidae  publicum  gebracht  werden
könnte.  Ja  sie  lassen  die  Societät  Interrogatoria,  Instructiones  und
Directoria  vor  Reisende,  vor  Ministros,  vor  Bergleute,  Medicos,
Handwerksleute,  Künstler  formiren,  um  dadurch  immer  tiefer  in
diese  unerschöpfliche  Mine  der  Natur  zu  menschlichem  Besten  zu
kommen.«  Was  könnte  Deutschland  leisten!  Wieviel  Fürsten  besitzt
  es,  die  sich  an  die  Spitze  stellen,  wieviel  ausserordentliche
Talente,  die  in  einer  Societät  richtig  geleitet  werden  könnten!  Mit
einer  Schilderung,  wie  in  Deutschland  die  Talente  verkümmern,  und
mit  einem  Ausfall  wider  die  unvernünftigen  Medieiner,  die  von
Naturforschung  niehts  wissen.  bricht  das  vou  Leissiz  nicht  zu  Ende
gefülirte  Manuseript  ab".

!  Siehe  den  vollständigen  Abdruck  dieses  Entwurfs  in  dem  Urkundenband
Nr.4.  Merkwürdig  ist,  dass  Leiswız  mit  einen  Blick  auf  China  schliesst:  »\WVie
närvisch  auch  und  paradox  der  Chinesen  Reglement  in  re  medica  scheint,  so  ist's
doch  weit  besser  als  das  unsrige«.  Seitdem  hat  Lriewız  China  nie  aus  den  Augen
verloren.  Alles,  was  er  irgend  über  dies  Land  liören  konnte,  sammelte  er  ein.
setzte  sich  mit  den  Jesuiten-Missionaren  in  dauernde  Beziehung.  erimunterte  zur
Erlernung  der  chinesischen  Sprache.  war  unablässig  bemüht,  Expeditionen  nach
China  anzuregen.  und  hat,  wie  sich  zeigen  wird.  die  Preussische  Akadeınie  mit  zu
dem  Zweck  gestiftet  und  eime  Societät  in  Moskau  angeregt,  um  China  zu  erschliessen,
  die  Cultur  Chinas  und  Europas  auszutauschen  und  das  ungeheure  Land
dem  Christentum  zuzuführen.  —  Das  abgerissene  Blatt  anı  Schluss,  welches  mit  abgedruckt
  ist,  zeigt,  dass  Leimniz  die  Errichtung  einer  Societät  auch  deshalb
wünschte.  um  »den:  Morden  der  Ärzte«  ein  Ende  zu  machen.  Er  richtete  die
schärfsten  Angriffe  auf  die  Heilkunde,  wie  sie  damals  ausgeübt  wurde.  Zeitlebens
ist  er  auf  die  Ärzte  schlecht  zu  sprechen  gewesen  —  eine  Folge  war,  dass  auch
sie  weder  ilın  noch  seine  Schöpfung,  die  Berliner  Akademie.  liebten.  Die  Akademie
hat  das  bald  zu  fühlen  bekommen,