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gierung doch keine andere Sprache führen. In dieser Überzeugung
vermochte ihn auch ein Privatbrief Freycinets an Herbette nicht zu erschüttern,
der den friedlichen Charakter der Entente betonte. Was diesen
hellsehenden Diplomaten einzig zu beruhigen vermochte, war die Tatsache,
daß Rußland infolge der dort herrschenden Mißernte und wegen
der noch nicht fertigen Neubewaffnung seiner Infanterie für den Eintritt
in den Krieg gerade jetzt nicht fertig wart).
Einen bemerkenswert selbständigen Standpunkt zu den Dingen
zeigt ein sehr ausführlicher Bericht des Barons de Vinck, der erst im
Vorjahre den Petersburger Gesandtschaftsposten übernommen hatte, vom
21. September 1891?). Sein Bericht ist frisch und lebhaft geschrieben
und sehr lesenswert. Da er sich von der üblichen Form diplomatischer
Berichterstattung nicht unwesentlich entfernte, machte das Brüsseler
Ministerium des Äußeren einige Bemerkungen dazu®), aus denen hervorgeht,
daß es die Beurteilung des offenbar noch jungen Diplomaten — er
war erst im Sommer 1890 zum Legationsrat ernannt worden — nicht
vollkommen teilte.
Sein Bericht sucht den Kronstadter Ereignissen jede tiefere politische
Bedeutung zu nehmen. Er zergliedert die einzelnen Vorkommnisse und
hebt auch hervor, daß die bei der Anwesenheit der französischen Marineoffiziere
am russischen Hofe gespielte und vom Zaren stehend angehörte
Marseillaise noch am Tage der Abreise der französischen Flotte für ganz
Rußland wieder verboten worden sei; nicht einmal ein von der Straße
hörbares Klavier dürfe sie ertönen lassen. Auf die sogenannte Volksstimmung
in Rußland sei nichts zu geben, denn der Muschik unterscheide
sich nach Ausbildung und Erziehung kaum von einem Fellah. ‚Anzunehmen,
daß ein Muschik argwöhnen könnte, was Europa, die Republik,
Frankreich oder Deutschland überhaupt ist, heißt sich über die Welt
lustig machen.‘“ Die ganze politische Bedeutung von Kronstadt erschöpfe
sich mit der Wiedergewinnung des französischen Marktes für die russischen
Anleihen.
Hierbei war zutreffend, daß neue darauf abzielende Verhandlungen
unmittelbar nach dem Flottenbesuch begonnen hatten und im Oktober
zum Abschluß gekommen waren!®).
In Wien teilte man den optimistischen Standpunkt des Barons de
Vinck keineswegs. Dort beobachtete man mit Besorgnis die fortdauernde
Entwicklung der russischen Armee an den österreichisch-ungarischen
Grenzen). Ein Hauptmoment der Beruhigung lag damals tatsächlich
in der großen Ausdehnung der russischen Mißernte, über die u. a. von
Konstantinopel am 25. Oktober®) nach Brüssel berichtet wurde. Danach
drohte Hungersnot das Land zu entvölkern. 23 Provinzen mit ungefähr
i) Berlin, 19. September 1891, Bd. V, S. 294/295.
2) Bd. V, S. 205 ff.
®) Bd. V, S. 110.
*) Petersburg, 9. Oktober 1891, Bd. V, S. 111.
5) Wien, 6. Oktober 1891, Bd. V, S. 113.
% Bd. V,S. 112.
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