Full text : Der Gemeindebeamte.

50  III.  Die  sächsischen  Staatsbehörden.  A.  Justizwesen.

Die  Strafverfolgung  von  Verbrechen  und  Vergehen
verjährt  je  nach  ihrer  Schwere  in  3  bis  20  Jahren,
die  von  Ubertretungen  in  3  Monaten.  Die  Verjährung
beginnt  mit  dem  Tage,  an  dem  die  Handlung  begangen
  worden  ist.

Die  Vollstrechung  rechtskräftig  erkannter  Strafen  verjährt
  bei  Ubertretungen  in  2,  bei  Vergehen  und  Verbrechen
  in  5  bis  30  Jahren.

Im  zweiten,  dem  besonderen  Teile  des  Strafgesetzbuchs
  sind  die  einzelnen  Delikte  und  die  auf  sie  gesetzten
  Strafen  aufgeführt.  Es  sind  dies  die  politischen
Delikte  (Hoch=  und  Landesverrat,  Beleidigung  von
Staatsoberhäuptern  usw.),  Delikte  gegen  die  staatliche
Ordnung,  die  Religion,  die  Sittlichkeit;  gegen  Ehre,
Leben  und  Gesundheit  (Beleidigung,  Zweikampf,  Mord,
Totschlag,  Körperverletzung);  gegen  die  persönliche  Freiheit;
  gegen  das  Eigentum  (Diebstahl,  Unterschlagung,
Raub,  Erpressung,  Begünstigung,  Hehlerei,  Betrug,  Untreue,
  Urkundenfälschung,  Bankrott,  strafbarer  Eigennutz,
Sachbeschädigung);  gemeingefährliche  Delikte  (Brandstiftung,
  Uberschwemmung  usw.);  Verbrechen  und  Vergehen
  im  Amte  (Bestechung,  Rechtsbeugung,  Urkundenfälschung,
  Unterschlagung  durch  Beamte  u.  dgl.);  Ubertretungen
  (S.  285).  Der  größte  Teil  der  Ubertretungen
ist  durch  Polizeiverordnungen  und  Landesgesetze  mit
Strafe  bedroht.

4.  Das  Verfahren.

a)  Zivilprozeß.

Das  Verfahren  in  bürgerlichen  Bechtsstreitigkeiten  ist
durch  die  Zivilprozeßordnung  vom  30.  Januar  1877  in
der  Fassung  vom  20.  Mai  1898,  abgeändert  1905  und
1909,  einheitlich  für  das  Deutsche  Reich  geregelt  worden.

Das  Gerichtsverfcssungsgesetz  bestimmt,  vor  welches
Gericht  ein  Bechtsstreit  gehört  (Zuständigkeit).  Die
Zuständigkeit  richtet  sich  nach  dem  Wohnsitze  des  Be-