nicht durch Gesten und Mimik geschehen konnte. Aber mit großer
Selbstüberwindung, ja mit stiller Heiterkeit trug er sein furchtbares
Schicksal. Erschütternd war auch zu erleben, mit welcher Hingebung
und Liebe meine Mutter den kranken Gemahl pflegte, und wie sie
um nichts in der Welt sich bereit finden lassen wollte, an die furcht—
bare Wahrheit zu glauben. Es war ihr unfaßbar, daß unheilbarer
Krebs das Leben ihres herrlichen Mannes zerstören sollte. Mackenzie
war noch immer der große Mann, der ihr Vertrauen besaß, und
neben dem die pessimistischen deutschen Arzte nicht aufkommen konnten.
Von der Krebsdiagnose, die er im November selbst anerkannt hatte,
war er inzwischen leichtfertig wieder abgegangen und hatte meine
Mutter mit neuem Optimismus erfüllt. Zudem krat unter ihrer treuen
Bflege gerade in den Tagen meiner Anwesenheit eine Besserung ein.
Vormittags konnte der Kranke im Garten oder auf dem Balkon
sitzen und die wärmende Sonne des Südens genießen, oft auch auf
dem Balkon die Fremden, die sich in Scharen einfanden, voll Dank
für ihre Teilnahme begrüßen.
So hätte also sehr wohl eine Uberstedelung nach Deutschland
stattfinden können, um den Wunsch des Kaisers zu erfüllen, wenn
nicht in der Heimat der Winter außergewöhnlich kalt und stürmisch
gewesen wäre. Oaher sollte erst der Eintritt wärmerer Witterung
abgewartet werden, und ich reiste ab, ohne meinen Auftrag aus-
geführt zu haben. Mit Geheimrat v. Bergmann, der ebenfalls in
den nächsten Tagen nach Deutschland zurückkehren wollte, bonnte ich
nur vereinbaren, daß er Mackenzie das Versprechen abnehme, meinen
Vater im Falle der Verschlimmerung nach Hause zu bringen. Außer-
dem sollte sein Assistent Dr. Bramann, der seinerzeit den Luftröhren-
schnitt gemacht hatte, täglich an Leuthold chiffrierte Telegramme über
den Zustand meknes Vaters schicken. Mehr konnte ich nicht tun.
Tief bedrückt und hoffnungslos reiste ich nach Berlin zurück.
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