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geitig mit Glycerin-Menschenlymphe mittelst Skarifikation geimpft worden. Wenn auch
die auf den Skarifikationen entstandenen Pusteln im Aussehen diejenigen der Genfer
Lymphe nicht erreichten, so wurden doch mit der aus dem GErtrag hergestellten Emulsion
bei den Probeimpfungen volle persönliche und volle tadellose Schnitterfolge erzielt.
Auch behielt diese Lymphesorte noch lange ihre volle Wirksamkeit, als jene Thierlymphe
27. Generation ihre Virulenz längst eingebüßt hatte.
Der Berichterstatter giebt auf Grund dieser Beobachtungen der lleberzeugung
Ausdruck, daß gewisse Eigenschaften der Münchener Schlachtkälber dem Virus der rein
gezüchteten Thierlymphe feindlich sind und knüpft hieran die Frage, ob nicht ein
Analogon mit der Thatsache vorliegen könnte, daß gewisse Hammelrassen sich gegen
das sonst so verderbliche Milzgbrandgift refraktär erwiesen haben.
In Dresden wurden die Versuche zur Fortpflanzung der Lymphe auf dem
Wege von Kalb zu Kalb mit besserem Erfolge als früher fortgesetzt. Von sämmtlichen
64 zur Impfung gelangten Kälbern wurden 60 mit animalem, im Institut selbst gezüchtetem
Impfstoffe geimpft, während 4 nur zum Vergleich und der Vorsicht halber
mit Retrovaccine geimpft wurden. Es gelang, die Fortzüchtung bis zur 6. Generation
durchzuführen. Die Ursachen dieser befriedigenden Erfolge werden 1. in der sehr
vorsichtigen Auswahl der zur Fortpflangung geeigneten Impfstoffe, 2. in der Abimpfung.
der Kälber zu einem Termine, wo die Pocken noch jung waren und 3. darin gesucht,
daß die Thierlymphe nicht sofort nach der Abnahme, sondern erst nach längerer Aufbewahrung
auf Kälber weiter verimpft wurde.
Da man den Pusteln, selbst den schönsten und bestentwickelten, nicht ansehen
kann, ob sie einen kräftigen und dauerhaften Impfstoff enthalten, so ist es nothwendig,
zur Fortzüchtung der Thierlymphe einen größeren Vorrath von Lymphe aller
abgeimpften Kälber anzulegen, um nach späterer Ausschaltung der sich als minderwerthig
darstellenden Nummern stets eine genügende Menge guter Stammlymphe in
Bereitschaft zu haben.
Aus Frankenberg, Bautzen und Cannstatt wurden Lympyheproben an das
Kaiserliche Gesundheitsamt abgegeben.
Wenn auch in Cannstatt nach Benutzung von 1893er Thierlymphe im Durchschnitt
erheblich größere Gruten erzielt worden sind als mit 1892er, so wird deshalb
doch die Benutzung des älteren Stoffes vorgezogen, da nach den Grfahrungen in der
Anstalt die Anwendung frischer Lymphe zur Degeneration führt.
Je eine entartete Drüse von 2 Thieren war von Professor Dr. Baumgarten in
Tübingen untersucht worden. Die eingegangene Mittheilung über den Ausfall der
Untersuchung lautete:
„Die gesendeten Stücke sind tuberkulöser Natur und enthalten Tuberkelbazillen.
Ich rathe, unter allen Umständen Lymphe, die aus perlsüchtigen Thieren gewonnen
ist, von der Verwendung auszuschließen, da die Möglichkeit nicht in Abrede zu stellen
ist, daß Tuberkelbazillen vom Blute aus hineingelangt sein könnten; diese Möglichkeit
ist nicht aufgehoben, wenn die tuberkulösen Massen verkalkt sind, da erstens die Verkalkung
bei der Rindstuberkulose sehr frühgeitig auftritt und zweitens ja an anderen
Stellen des Körpers desselben Thieres frischere (akute) Produkte der Krankheit vorhauden
sein könnten.“
In Karlsruhe glückte ein Versuch, einen neuen Lymphestamm aus den am
Euter einer Kuh entdeckten, spontan entstandenen Kuhpocken zu züchten, nicht. Auf
dem Versuchsthier wuchsen typische Vaccinepusteln nicht; dasselbe ist auch nicht immun
geworden, denn die nachträgliche Impfung mit dem herkömmlichen Lymphestamm war
erfolgreich.