Zwei berühmte Theologen, Abdias (eigentlich Gottschalk) Prätorius und Andreas
Musculus, Letzterer ein Freund und Gesinnungsgenosse des durch den Entwurf
zum Interim bekannten Hospredigers Agricola, und Anhänger der Lehre von
der Verwerflichkeit der guten Werke, standen an der Spitze der streitenden Parteien.
Auf Seiten des Gegners befand sich der ebenfalls früher schon erwähnte
Propst Georg Buchholzer, welcher sich um die Einführung der Reformation in
der Mark ein so großes Verdienst erworben hatte. Der würdige Geistliche suchte
seine Glaubensansicht gegen die gehörten Angriffe zu rechtfertigen; da gerieth
aber der sonst milde Fürst in solchen Zorn, daß er den Stock erhob, als ob
er nach dem Propst schlagen wollte. Dies that er nun freilich nicht, eiferte
aber mit großer Heftigkeit gegen die Lehre so wie alle ihre Anhänger, und entließ
endlich den erschreckten Vertheidiger derselben mit den Worten: „Herr Georg!
ich will bei der Lehre des Musculus bleiben, und befehle meine Seele nach dem
Tode unserem Herrgott, Eure aber mit Eurer Gottschalkischen Lehre dem Teufel!“
Buchholzer verlor wirklich seine Stelle, während seltsamer Weise der Haupt-Wortführer
seiner Ansicht, Abdias Prätorius, noch ferner die Gnade des Kurfürsten
genoß.
Wer bedauert nicht hierbei, daß ein so milder und verständiger Fürft sich
zu so unersprießlichen Maßregeln verleiten ließ, wer überzeugt sich nicht hierdurch,
daß es niemals frommen wird, wenn die heöchste wellliche Macht sich
von persönlichen Ansichten in religiösen Dingen zu unmittelbarem Eingriff in
kirchliche Angelegenheiten verleiten läßt. Uebrigens ist es leicht zu begreifen, wie
man in damaliger Zeit eine so große Abneigung gegen die Lehre von der Ersprießlichkeit
der guten Werke auf protestantischer Seite empfand, denn gerade
diese war es ja, auf welche sich der so schamlos getriebene Ablaßkram stützte,
und durch welche die trostreiche Lehre von der Vergebung der Sünde so schmachvoll
entheiligt worden war.
Je länger Joachim II. die Zügel der Regierung in seinen Händen hatte,
desto segensreicher wurde sein Einfluß auf die Leitung der innern und auswärtigen
Verhältnisse seines Landes. Trotz seines vorgerückten Alters hatte sich seine
Spannkraft und Thätigkeit nicht verringert. „Wenn ich meine Jahre zähle,
dußerte er noch am Neujahrstage 1571 zu seinen Hofleuten, die ihm den gewöhnlichen
Glückwunsch brachten, so habe ich genug gelebt; wenn ich mich
aber selbst und die jetzigen Zeiten betrachte, so wünsche ich wohl einige gute
Sachen noch erst ausführen zu können, nicht als ob ich länger zu leben und zu
regieren Lust hätte, sondern weil ich mich gern mit Sachen beschäftigen möchte,
die der wachsenden evangelischen Kirche zum Besten gereichen".
Am Tage vor seinem Tode jagte er munter in dem Walde von Köpenick herum,
verbrachte den Abend im Kreise seiner Freunde unter heitern und ernsten Gesprächen.
Nach kurzem Leiden schied er aus seinem thätigen und erfolgreichen
Leben, von Niemandem gehaßt, doch schmerzlich beklagt von seinen treuen Unterthanen,
und hochgeachtet selbst von seinen Gegnern.