Klingel zum letztenmal exscholl, alles sich erhob, und die feldmäßig
uniformierten Lakaien unsere Stühle wegrückten. Der
Kaiser sprach die ganze Zeit mit mir. Er knüpfte an meinen
letzten Vortrag in Berlin an, dem er beigewohnt hatte; Tibet,
wo ich so unruhige Zeiten erlebte, werde wohl bald das einzige
Land auf der Erde sein, das Ruhe habe. Dann sprach er von
der Weltlage und den Stürmen, die über Europa hinbrausen.
Mich freute besonders, zu hören, mit welcher Achtung und Sympathie
sich der Kaiser über Frankreich aussprach. Er beklagte die
Notwendigkeit, die ihn gegen seinen Wunsch gezwungen habe, sein
Heer gegen die Franzosen zu führen, und er hoffte, daß die Zeit
kommen werde, da Deutsche und Franzosen gute Nachbarschaft
halten könnten. Auf dieses Ziel habe er fünfundzwanzig Jahre
hingearbeitet, und er hoffe, daß eine ganz neue Ordnung der
Dinge aus dem gegenwärtigen Krieg hervorgehen werde. Eine
Verständigung zwischen Deutschland und Frankreich werde mit Notwendigkeit
ein unerschütterliches Bollwerk für den zukünftigen
Frieden schaffen. Erst aber den Sieg über die unübersehbaren
Heere, die vier Großmächte gegen Deutschlands Grenzen und die
deutschen Besitzungen in fremden Weltteilen werfen, dann ein
ehrenvoller und nach allen Seiten hin Sicherheit schaffender
Friede und schließlich der große und festgebaute Weltfriede. Vor
allem setzt der Kaiser sein Vertrauen in Gott, aber er verläßt
sich auch blind auf das deutsche Volk und seine große, herrliche
Armee. Er vertraut auf die glänzende Tapferkeit und die Todesverachtung
der Soldaten und auf das Offizierkorps, das sie zu
Wasser und zu Lande führt.
Wenn die Franzosen eine Ahnung von der wirklichen Denkweise
des Kaisers hätten, würden sie ihn ganz anders beurteilen
als jetzt. Und niemand wird wohl glauben, daß ich die Verantwortung
auf mich nehmen könnte, dem Kaiser andere Urteile in
den Mund zu legen als die, die er wirklich gefällt hat und die
ich selbst von ihm gehört habe. Das hieße die Gastfreundschaft,
die ich an der Front genossen habe, übel lohnen.
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