Full text : Europäischer Geschichtskalender. Fünfter Jahrgang. 1864. (5)

Deutschland.  55

der  ministeriellen  Partei  beantragen,  über  die  Resolution  Herbst  zur
Tagesordnung  überzugehen.  Reden  des  Grafen  Rechberg  und  des
Hrn.  v.  Schmerling.  Bei  der  Abstimmung  werden  die  Anträge  des
Ausschusses  angenommen,  die  Resolution  Herbst  dagegen  wird  mit
103  gegen  59  Stimmen  verworfen.

29.  Jan.  (Holstein).  Deputirte  von  ca.  50  neugebildeten  Schleswig-Holstein-Vereinen
  nehmen  in  Kiel  ein  Gesammtstatut  an.

31.  „„  (Oesterreich  und  Preußen).  Gleichlautende  Antwort  auf  das
von  England  gestellte  Begehren  einer  förmlichen  Erklärung,  daß  sie
an  dem  Principe  der  Integrität  der  dänischen  Monarchie  festhalten:
„Die  kgl.  (kais.)  Regierung  hat,  indem  sie  die  Rechte,  zu  deren  Geltendmachung
  gegen  Dänemark  sie  in  Gemeinschaft  mit  Oesterreich  (Preußen)schreitet,  auf
die  Stipulationen  von  1851—52  basirt,  durch  eben  diesen  Act  das  Princip
der  Integrität  der  dänischen  Monarchie  anerkannt,  wie  dasselbe
durch  das  Abkommen  von  1851—52  festgesetzt  ist.  Indem  die  kgl.  (kais.)  Regierung
  zur  Occupation  Schleswigs  schreitet,  ist  sie  nicht  gesonnen,  dieses
Princip  zu  verlassen.  Wenn sie jedoch  in  Folge  von  Verwicklungen,  die
durch  das  Beharren  der  dänischen  Regierung  bei  ihrer  Weigerung,  ihre  Versprechungen
  von  1852  zu  erfüllen,  herbeigeführt  werden  könnten,  oder  in  Folge
der  bewaffneten  Intervention  anderer  Mächte  sich  genöthigt  sehen  sollte,
Combinationen  zu  entsagen,  die  nicht  länger  ein  Ergebniß  liefern  würden,
das  im  Verhältniß  zu  den  Opfern  stände,  welche  die  Ereignisse  den  deutschen
Mächten  auferlegen  möchten,  so  könnten  keine  definitiven  Arrangements
ohne  Mitwirkung  der  Mächte,  die  den  Londoner  Vertrag  unterzeichneten,
  getroffen  werden.  Die  britische  Regierung  würde  die  kgl.  (kais.)
Regierung  dann  bereit  finden,  mit  ihr  zu  einer  Verständigung  über  die  endgiltige
  Lösung  der  dänisch-deutschen  Frage  zu  gelangen.“

„  „  (Baden).  In  Folge  einer  Versammlung  von  Mitgliedern  der
demokratischen  Partei  aus  Baden,  Bayern,  Hessen,  Nassau  und  Rheinpreußen
  richten  die  badischen  Theilnehmer  eine  Petition  an  die  badische
  Regierung,  den  Ständen  eine  alsbaldige  Vorlage  zu  machen
zur  Organisation  eines  dem  schon  bestehenden  Armeecorps  als  Reserve

  dienenden  Volksheeres.

„  „  (Kurhessen).  165  Delegirte  der  verschiedenen  Schleswig-Holstein-Vereine
  des  Landes  richten  eine  Adresse  an  den  Kurfürsten  für
entschiedenes  Auftreten  in  der  schleswig-holsteinischen  Frage.

1.  Febr.  (Deutsch-dänischer  Krieg).  Die  Preußen  und  Oesterreicher
rücken  in  Schleswig  ein.  Die  Preußen  besetzen  Eckernförde.

„  „  (Schleswig).  Herzog  Friedrich  wird  sofort  nach  dem  Einrücken
der  Alliirten  in  Gottorp  und  in  Eckernförde  von  der  Bevölkerung
als  Landesherr  proclamirt.

„  „  (Baden).  Staatsrath  Matthy  übernimmt  das  Handelsministerium.

2.  „  (Schleswig).  Herzog  Friedrich  empfängt  die  erste  Huldigungsdeputation
  aus  dem  Schleswigschen.

3.„  (Zollverein).  Wiedereröffnung  der  Ende  Dec.  v.  J.  vertagten
Zollvereins-Conferenz  in  Berlin.