Full text : Central-Blatt für das Deutsche Reich. Zwölfter Jahrgang. 1884. (12)

Ein  albanischer  Staat  keine  Sicherung

 

am  Ballplatz,  daß  uns  hier  die  albanesische  Sache  einige
Sorge  macht.‘“  Ich  hatte  zunächst  Gelegenheit,  mit  dem
Sektionschef  im  Auswärtigen  Ministerium,  Grafen  Wyckenburg,
  über  diese  Dinge  zu  sprechen.  Er  sagte  mir,  die  große
Gefahr  halte  er  eigentlich  für  überwunden,  aber  Österreich-Ungarn
  müsse  jetzt  in  den  sehr  wichtigen  Einzelheiten
durchhalten.  Man  brauche  Albanien  als  Damm  gegen  die
wachsende  südslawische  Hochflut.  Der  Damm  müsse  so
ausgestattet  werden,  daß  er  stehen  könne.  Das  gelte
namentlich  auch  für  die  Abgrenzungsfrage;  aber  gerade
hier  mache  Rußland  die  ärgerlichsten  Schwierigkeiten  und
lasse  sich  jeden  Fußbreit  albanesischen  Bodens  abnötigen
und  abringen.  Das  müsse  eben  durchgefochten  werden.
Ich  äußerte  meine  Zweifel  an  dem  Wert  des  albanesıschen
Damms.  Die  Albanesen  unterschieden  sich  nach  meiner
Kenntnis  von  den  andern  Völkern  dadurch,  daß  das  Wort
des  Aristoteles,  der  Mensch  sei  ein  ‚‚zoon  politikon“,  auf
sie  nicht  zutreffe;  sie  hätten  niemals  staatsbildende  Kraft
bewiesen,  und  ich  könne  die  Besorgnis  nicht  loswerden,
daß  ein  albanesischer  Staat  für  seine  Väter  keine  Sicherung,
sondern  eine  Quelle  von  Unruhen  und  Sorgen  sein  werde.

Mit  dem  Grafen  Berchtold  hatte  ich  am  31.  Januar  nach
einem  Frühstück  bei  dem  Gouverneur  der  k.  u.  k.  Bodenkreditanstalt,
  Herrn  Sieghard,  eine  Unterhaltung,  die  folgendermaßen
  verlief:  Graf  Berchtold  fragte  mich  ziemlich
unvermittelt,  was  man  in  Deutschland  eigentlich  über  die
Situation  denke,  und  ob  man,  wie  es  den  Anschein  habe,

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