646 235. Statut der Graf L.ounar-Stiftung (1889).
nach der Ansicht der Königlichen Akademie am zweckmäfsigsten Fahrzeuge der
Bundesmarine zur Verwendung kommen. Es wird wahrscheinlich möglich sein, die
Aufgabe der Besetzung und Beschützung der in Ostasien auszuwählenden Stationen
einem der regelmäfsig dort stationirten Bundes-Kriegsschiffe zu überweisen. Dasegen
wird zur Besetzung der Stationen in der Südsee und zur Eriwöglichung des
Aufenthalts auf den unbewohnten und wüsten Inseln, welche dort in erster Linie
für die Beobachtungen benutzt werden müssen, ein Fahrzeug eigens disponibel gemacht
und für einen vielleicht einjährigen Zeitraum lediglich für diesen Zweck in
Dienst gestellt werden müssen.
Die Königliche Akademie kann sich nicht verhehlen, dafs diese Heranziehung
der Bundesmarine zur Unterstützung eines astronomischen Zwecks eineın bedeutenden,
die vorhin veranschlagten Kosten des wissenschaftlichen Apparats weit übersteigenden,
aber der näheren Schätzung von Seiten der Königlichen Akademie sich
gänzlich entziehenden Geldaufwand gleichzuachten ist. Es mufs aber berücksichtigt
werden, dafs dieselbe nicht lediglich der Förderung des genannten wissenschaftlichen
Zwecks, sondern zugleich in hervorragendem Mafse der Marine selbst zu
gute kommen wird. Es ist sowohl der hohe allgemeine Nutzen wissenschaftlicher
Expeditionen für die Hebung der Marine von allen seefahrenden Nationen anerkannt,
als auch das besondere Interesse grofs, welches dieselbe an der sicheren
Bestiminung der astronomischen Daten nehmen muls, welche die Schifffahrt benutzt,
und welche zum Theil die Kenntnifs der Entfernung der Erde von der Sonne voraussetzt;
aufserdem endlich wird durch Arbeiten der vorgeschlagenen Expeditionen
ganz direct der Sicherheit der Schifffahrt in wichtigen Meerestheilen ein hoch anzuschlagender
Dienst geleistet werden verinittelst der genauen Bestimmung einer Anzahl
geographischer Positionen, welche für die Aufnahme dieser Gebiete die noch
gänzlich fehlenden fundamentalen Anhaltspunkte.liefern werden.
Obwohl der nächste Venus-Durchgang noch ehr als fünf Jahre entfernt ist,
so durfte die Königliche Akademie dennoch nicht unterlassen, bereits gegenwärtig
die Aufmerksamkeit Ew. Excellenz auf die Anforderungen hinzulenken, welche dieses
Phänomen an die Wissenschaft und die staatliche Unterstützung derselben stellt.
Erst nach dem Abschlufs der Berathungen der Commission, deren Niedersetzung
die Königliche Akademie beantragt, werden die erforderlichen Instrumente bei den
Künstlern bestellt werden können, welche zur Anfertigung derselben möglicherweise
einen Zeitraum von zwei bis drei Jahren nöthig haben werden. Die genaue Untersuchung
und Vergleichung dieser Instrumente, welche nothwendigerweise vor dem
Abgang der Expeditionen durch die Astronomen derselben auszuführen ist, wird
die Zeit eines ferneren Jahres ausfüllen. Um daher der deutschen Wissenschaft
eine gründliche und hinter der Betheilizung anderer Nationen nicht zurückbleibende
Vorbereitung auf die Beobachtungen des Venus-Durchgangs von 1874 zu sichern,
kann die Königliche Akademie nicht umhin, ihr an Ew. Excellenz gerichtetes Ersuchen
als ein bereits gegenwärtig dringliches zu bezeichnen.
Königliche Akademie der Wissenschaften.
Trendelenburg. Haupt. Kummer. E. du Bois-Reymond.
235.
(Vergl. Geschichte der Akademie S. 1019).
Statut der Graf Lousar-Stiftung (1889).
Nachdem der Graf (jetzt WIerzog) Joseph Florimond Loubat aus New York
der Königlich Prenfsischen Akademie der Wissenschaften 22871 Mark 55 Pf. zuın
Zweck einer Preisstiftung, welche die americanistischen Studien fördern soll, und