Kamerun.
Wir haben erfahren, daß Dr. Nachtigal auf der „Möve“ nach
Togo ging und dort die deutsche Flagge heißte. Sein nächstes Ziel
war nun das weiter östlich im innersten Winkel der Bai von Guinea
liegende Kamerun. Dieser Winkel heißt die Bai von Biafra. Die
hanseatischen Firmen Woermann, Jantzen und Thormälen waren hier
schon seit 1868 und 1874 als Pioniere tätig gewesen. Sie errichteten
Faktoreien, erwarben 1884 von den Häuptlingen Hoheitsrechte und über-
trugen diese auf das Reich, worauf der Bevollmächtigte Nachtigal
im Juli 1884 dies Gebiet „unter deutschen Schutz“ stellte — wie die
unsererseits angenommene, für die bestehenden, zum Teil recht achtbaren
Gewalten und Gesellschaftsordnungen schonende Formel lautet. Zwei
Tage nach der „Möve“ traf auch ein englisches Kriegsschiff ein und
erhob gegen die Flaggenheißung der Deutschen Einspruch. Jedenfalls
behielten die Engländer einstweilen den wichtigen, im Herzen des Busens
gelegenen Hafen Viktoria. Da die „Möve“ nach Angra Pequen#ia weiter
eilen mußte, um auch dort die Reichsflagge zu heißen, und da sich einer
der Erforscher Kameruns, ein spolonisierter Deutscher namens Scholz-
Bogozinski auf die Seite der Briten stelltet, so wurde der deutsch-
freundliche und sehr vermögende König Bell in Joßtown verjagt und
der Vertreter des Hauses Woermann ermordet. Nur das zeitige Ein-
treffen des Admirals Knorr mit den Kriegsschiffen „Bismarck“ und „Olga“
rettete das deutsche Ansehen, um das noch während der folgenden
Jahre heiß gekämpft werden mußte. Erst 1885 wurden die Verhältnisse
auf diplomatischem Wege geregelt. „King“ Bell wurde wieder eingesetzt,
England gab Viktoria heraus, und so gehört denn dem Deutschen Reiche
auch hier ein Küstenstreifen von 320 km und ein dahinter sich ebenfalls