126 Zweiter Zeitraum.
war, bestand zum großen Teil aus, dem verworfensten Gesindel, das man
hatte einfangen können, war ohne Ubung, schlecht gekleidet und mangelhaft
verpflegt. Viele der Besseren weigerten sich auch, mit den Franzosen gegen
die Preußen zu kämpfen, liefen davon oder gingen zu den Preußen über. Von
32000 für das Reichsheer bestimmten Truppen blieben nur 400 beisammen.
Etwa 10000 Reichstruppen unter dem Prinzen von Hildburghausen
vereinigten sich mit 33000 Franzosen unter Soubise; Friedrich griff sie am
5. November mit nur 21000 Mann bei Noßbach südlich von Merseburg
an. Vormittags verhielt er sich ganz ruhig, ließ aber den Feind vom Schlosse
in Roßbach aus genau beobachten; er setzte sich mit seinen Offizieren zur
Tafel und ließ auch seine Truppen erst zu Mittag essen. Die Franzosen
hielten dies für Verzweiflung und schickten sich an, ihn samt seinem Heere
gefangen zu nehmen. Erst gegen drei Uhr gab der König den Befehl, die Zelte
abzubrechen und in Schlachtordnung, zu treten. Im Nu war dies geschehen.
Da ging das kleine Heer zum Angriff vor, Seydlitz mit der Reiterei voran.
Sowie er an den Feind kam, gab er das Zeichen zum Angriff, indem er seine
kurze Pfeife in die Luft schleuderte. Wie ein Wetter brauste die Reiterei
unter Seydlitz in den Feind und sprengte ihn wie Spren auseinander; in
einer Viertelstunde war auch die feindliche Infanterie geworfen. „Unser Glück
war," schrieb der Prinz von Hildburghausen an den Kaiser, „daß es Nacht
wurde, sonst wäre nichts davongekommen.“ Soubise beklagte sich später, der
König habe ihm gar keine Zeit gelassen, „seine sehr guten Dispositionen auszuführen".
Als ein preußischer Husar einen Franzosen gefangen nehmen
wollte, eilte diesem ein Osterreicher zu Hilfe. „Bruder Deutscher,“ sprach der
Preuße, „laß mir den Franzosen“! — „Na, so nimm ihn hin!“ rief jener
und sprengte davon. Von dem preußischen Heere war nicht die Hälfte zum
Schlagen gekommen. Diese Züchtigung der hochmütigen Franzosen erfreute
alle Deutschen; in einem Volksliede aus damaliger Zeit heißt es:
„Und wenn der große Friedrich kommt und klopft nur auf die Hosen,
So läuft die ganze Reichsarmee, Panduren und Franzosen.“
Aber das schwierigste Werk dieses Jahres hatte der König noch vor sich;
es galt, Schlesien wieder vom Feinde zu befreien. Vor dem überlegenen
österreichischen Heere war das von Friedrich in Böhmen zurückgelassene Heer
unter dem Herzog von Braunschweig-Bevern, dem Schwager des Königs,
nach Schlesien zurückgewichen; in einer unglücklichen Schlacht bei Moys unweit
Görlitz war General Winterfeldt, ein Liebling des Königs, gefallen. Die
Osterreicher hatten die wichtige Festung Schweidnitz erobert, den Herzog
von Bevern bei Breslau geschlagen und tags darauf gefangen genommen;
gleich darauf fiel auch die Hauptstadt der Provinz in ihre Hände. Maria
Theresia ordnete in allen Kirchen Dankgebete an und nahm die Beamten
Schlesiens in Eid und Pflicht. Da eilte Friedrich mit 14000 Mann herbei,
und Zieten führte ihm die Reste des schlesischen Heeres, etwa 18000 Mann,
zu. Durch freundlichen Zuspruch und gute Verpflegung wußte der König den
Mut der geschlagenen Truppen wieder zu beleben, so daß sie bald vor Begierde
brannten, die erlittene Scharte wieder auszuwetzen und es den Siegern