270 Dritter Zeitraum.
zur größeren Sicherheit schloß König Wilhelm noch mit Italien, das ebenfalls
nach Einigung rang, ein Schutz= und Trutzbündnis. Um die Mehrheit
des deutschen Volkes auf Preußens Seite zu ziehen, stellte der König durch
seinen Gesandten beim Deutschen Bunde den Antrag, es möge eine aus allgemeiner,
unmittelbarer Wahl hervorgehende Versammlung zur Beratung einer
Bundesreform einberufen werden. Die übrigen Staaten gingen auf diesen
Antrag nicht ein: auch die Mehrheit des deutschen Volkes, selbst die Liberalen,
« nahmen Stellung gegen
« Preußen, da sie dessen Antrag
nicht als ehrlich gemeint
ansahen. Am meisten
wandte sich der Haß gegen
Bismarck; ein überreizter
Student, Cohen, feuerte
sogar aus nächster Nähe
fünf Kugeln auf ihn ab,
ohne ihn indes erheblich
zu verletzen. Inzwischen
wurde hüben und drüben
— auch in den deutschen
*.*.2 — in Miittelstaaten — eifrig ge-NNNC¾C2K2AMMNbRAiistet;
Ssterreich legte die
nn——ss—m—M scchleswig3holsteinische Sache
dem Bunde zur Entscheidung
vor und berief die
holsteinischen Stände ein.
Da erklärte Preußen den
Gasteiner Vertrag für gebrochen;
Manteuffel rückte
Vogel von Falckenstein. in Holstein ein, und Gablenz
zog mit den österreichischen
Truppen ab. Dadurch wurde der Haß gegen Preußen noch vergrößert.
Vergebens legte der preußische Gesandte am 10. Juni dem Bunde
die Grundzüge einer neuen Bundesverfassung mit Ausschluß Osterreichs vor,
wie sie später im Norddeutschen Bunde verwirklicht ist, Osterreich stellte
dagegen den Antrag auf Bundesexekution gegen Preußen. Am 14. Juni
1866 wurde darüber abgestimmt und mit 9 gegen 6 Stimmen der Krieg
gegen Preußen beschlossen. Sofort erklärte der preußische Gesandte, seine
Regierung sehe damit den Deutschen Bund für gebrochen an, und verließ
den Saal. Preußen schlossen sich nur wenige kleine Staaten (Mecklenburg,
Oldenburg, Braunschweig, Weimar, Koburg-Gotha, Altenburg) an, während
Bayern, Württemberg, Baden (gezwungen), Sachsen und Hannover auf
Osterreichs Seite traten. .
Am 15. Juni bot Preußen seinen drei Nachbarstaaten Hannover,
Sachsen und Kurhessen noch einmal die Hand zum Frieden; sie sollten ihre
Selbständigkeit behalten, wenn sie sich neutral verhalten und den preußischen