Full text : Unser Preußen.

26  Erster  Zeitraum.

die  Lehnshoheit  Brandenburgs  an,  Krossen,  Züllichau,  Bobersberg  und  Sommerfeld
  aber  wurden  1482  an  Brandenburg  abgetreten.  So  hatte  auch  in  dieser
drohenden  Gefahr  des  Kurfürsten  Wahlspruch  sich  wieder  bewährt:

In  Gott's  Gewalt  Hab'  ich's  gestalt,
Er  hat's  gefügt,  Daß  mir's  genügt.

Ein  noch  größeres  Verdienst  als  durch  diese  Vergrößerung  Brandenburgs
  erwarb  sich  Albrecht  Achilles  durch  sein  Hausgesetz  (Dispositio  Achillea
1473)0.  Durch  dasselbe  bestimmte  er  seinem  ältesten  Sohne  die  Mark  Brandenburg
  und  zwei  jüngeren  die  fränkischen  Fürstentümer;  zugleich  setzte  er  fest,
daß  die  Mark  stets  ungeteilt  auf  den  nächsten  männlichen  Erben
übergehen  und  das  Burggrafenamt  nur  zwei  regierende  Herren,  zu  Ansbach
  und  zu  Baireuth,  haben  solle.  Dadurch  wurden  die  brandenburgischen
Länder  vor  Zersplitterung  bewahrt  und  die  Kurfürsten  gezwungen,  ihren
dauernden  Wohnsitz  in  der  Mark  zu  nehmen.

Die  letzten  Jahre  seines  Lebens  verbrachte  der  alternde  Kurfürst  in
Franken.  Aber  trotz  großer  Leibesschwäche  begab  er  sich  doch  nach  Frankfurt
  a.  M.,  um  an  der  Wahl  des  späteren  Kaisers  Maximilian  teilzunehmen.
  Er  mußte  sich  auf  einem  Sessel  in  die  Kirche  tragen  lassen,  in
welcher  die  Wahl  stattfand.  Als  der  festliche  Zug  zurückkehrte,  trug  Albrecht,
gleichfalls  im  Lehnstuhl  sitzend,  dem  Kaiser  das  Scepter  voran.  Dann  bereitete
  er  sich  auf  den  Tod  vor  und  starb  in  Frankfurt  während  einer  Andacht
  ebenso  still  und  friedlich,  als  sein  Leben  voll  Unruhe  gewesen  war.
Der  Kaiser  und  sämtliche  Reichsfürsten  gaben  seiner  Leiche  das  Geleit  bis
an  den  Main,  auf  welchem  dieselbe  nach  Franken  gefahren  wurde,  um  in  der
Gruft  der  Ahnen  zu  Heilsbronn  ihre  Ruhestätte  zu  finden.

Johann  Cicero  (1486—1499)  war  seit  seinem  zwölften  Jahre  in  der
Mark  gewesen  und  hatte  daher  die  Märker  genau  kennen  gelernt,  wie  diese  ihn.
Gerechtigkeit,  Ordnungsliebe  und  Sparsamkeit  waren  hervorragende  Tugenden
des  Kurfürsten.  Als  Statthalter  der  Mark  hatte  er  so  geringe  Einnahmen,
daß  er  acht  Jahre  lang,  obwohl  verlobt,  wegen  Geldmangels  nicht  heiraten
konnte.  Er  selber  klagte,  daß  er  „gering  mit  Bettgewand,  Laken,  Polstern,
Tischtüchern  und  Geld  versehen“  sei.  Ihm  bewilligten  die  Stände,  wenn  auch
mit  Widerstreben,  die  Biersteuer,  welche  sie  seinem  Vater  versagt  hatten,  und
als  sich  die  altmärkischen  Städte  der  Steuer  widersetzten,  wurden  sie  zum
Gehorsam  gezwungen.  Er  ging  aber  mit  dem  Gelde  auch  so  sparsam  um,
daß  er  nicht  nur  die  Herrschaft  Zossen  (südlich  von  Berlin)  kaufen,  sondern
auch  noch  die  Gründung  einer  Universität  in  Frankfurt  a.  O.  in  Angriff  nehmen
konnte.  Der  Kurfürst  hatte  viel  Verständnis  für  die  gerade  damals  wieder
aufblühenden  Wissenschaften,  besonders  für  das  Latein,  wie  schon  sein  Zuname
andentet;  soll  er  doch  auf  einem  Reichstage  vier  Stunden  in  fließendem  Latein
geredet  haben.  Dazu  hatte  Kaiser  Maximilian  auf  dem  Reichstage  zu  Worms
(1495)  den  Wunsch  geäußert,  es  möchte  jeder  Kurfürst  in  seinem  Lande  eine
Universität  haben.  Auch  war  die  allgemeine  Bildung  im  übrigen  Deutschland
schon  verbreiteter  als  in  der  Mark,  hatten  doch  kleinere  Nachbarländer  bereits
Universitäten,  so  Mecklenburg  in  Rostock  seit  1419  und  Pommern  in  Greifs-