Full text : Geschichte der Hohenzollern.

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ich  die  Verantwortlichkeit  für  die  Begebenheiten  in  der  gegenwärtigen  Lage  übernehmen
  können,  sondern,  sobald  wir  gethan  haben,  was  wir  vermögen,  wird
uns  unser  eigenes  Gewissen  sowie  die  Welt  Gerechtigkeit  widerfahren  lassen.
Was  die  gegenwärtige  Lage  der  Dinge  betrifft,  so  wird  fie  sich  allem  Anscheine
nach  in  wenigen  Tagen  entscheiden;  wir  werden  für  die  Ehre  kämpfen  und  für
das  Vaterland;  Jeder  wird  sein  Möglichstes  thun,  um  glücklich  zum  Ziele
zu  gelangen.“

Auf  diese  Vorstellungen  beschloß  der  Prinz,  standhaft  bei  seinem  königlichen
  Bruder  auszuharren  und  sich  den  schwierigsten  Diensten  willig  zu  unterziehen.
  Seine  Aufgabe  ging  dahin:  die  Russen  zurückzuhalten,  denen  er  jetzt
wieder  entgegentrat.  Der  König  selbst  zog  heran.  Daun  lagerte  hinter  der
Katzbach  zwischen  Wahlstadt  und  Jeschendorf,  auf  beiden  Seiten  die  Generale
Laudon  und  Bock  bis  Koschwitz  und  Kosendau  in  vortheilhafter  Stellung,  zusammen
  gegen  90,000  Mann  stark,  und  ihnen  gegenüber  nur  30,000  Preußen.
Dennoch  durfte  Friedrich  nicht  ruhig  stehen  bleiben,  sondern  den  Feind  stets
bedrohen,  um  nicht  seine  ganze  Macht  auf  den  Bruder  fallen  zu  lassen,  der
außerdem  schon  durch  80,000  Russen  hinlänglich  bedroht  war.  In  solchen
Bewegungen  war  Friedrich  Meister,  und  es  gelang  ihm  auch,  seine  Gegner  im
Schach  zu  erhalten.  Daun,  wie  immer  vorsichtig,  hatte  es  auf  die  Erneuerung
eines  Hochkircher  Ueberfalls  abgesehen  und  einen  Angriff  von  drei  Seiten  her
auf  den  König  für  die  Nacht  des  14.  August  angeordnet.  Sein  Plan  wurde
diesem  durch  einen  Ueberläufer  verrathen  und  geschickt  zum  Verderben  der
Gegner  benutzt.

Sogleich  war  sein  Entschluß  gefaßt.  Er  verließ  augenblicklich  die  bedrohte
Stellung,  trug  aber  Sorge,  daß  die  Wachtfeuer  unterhalten  und  die  Husaren-Runden
  ununterbrochen  fortgesetzt  wurden,  damit  der  Feind  von  diesem  Wechsel
nichts  ahnen  möchte;  dasselbe  thaten  auch  die  Oestreicher,  freilich  diesmal
die  Getäuschten.

Friedrich  stand  schon  bei  Liegnitz  in  Schlachtordnung  und  wartete  auf
seinen  Feind.  Eben  begann  es  zu  dämmern,  da  nahte  Laudon  mit  seinen
30,000  Mann,  in  der  Hoffnung,  seinen  Gegner  unvorbereitet  zu  sinden.  Zum
großen  Erstaunen  fand  er  die  ganze  Streitmacht  der  Preußen  vor  sich;  doch
da  er  auf  Dauns's  schleunigen  Beistand  rechnete,  so  ließ  er  seine  Kolonnen  zum
Angriff  vorrücken.  Diese  aber  wurden  von  den  Preußen  geworfen  und  in  wilder
Unordnung  zurückgetrieben,  ohne  daß  es  Laudon  möglich  war,  da  seine  Truppen
erst  im  Anmarsch  begriffen  waren,  seinen  Bewegungen  den  nöthigen  Nachdruck
zu  verleihen.  Die  östreichische  Reiterei  hatte  dasselbe  Schicksal,  sie  wurde  von
den  Dragonern  und  Prinz  Heinrichs  Kürassieren  mit  vielem  Verlust  zurückgeschlagen
  und  in  die  Sümpfe  gejagt.

Fünf  Angriffslinien  hatte  Laudon  geordnet,  aber  alle  fünf  wurden  hintereinander
  in  die  Flucht  getrieben,  da  die  nächste  nie  früher  auf  dem  Kampfplatze
eintreffen  konnte,  bevor  die  vorangehende  zerstreut  war.  Bald  wurde  die  Ver-