Contents : Bayerisches Realienbuch.

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Vor  der  Schlacht  knieten  die  Landsknechte  nieder  zum  Gebet,  warfen  dann
eine  Handvoll  Erde  zurück  zum  Zeichen,  daß  sie  alles  Irdische  hinter  sich  ließen  und
sich  dem  Tode  weihten.  Dann  stürmten  sie  in  großen  Haufen  gegen  den  Feind.  —
Oft  hatten  die  Landsknechte  ihre  Frauen  und  Buben  bei  sich.  Diese  bildeten  zusammen
  den  Troß.  Er  war  an  Zahl  häufig  größer  als  das  ganze  Heer  und  stand
unter  Aufsicht  eines  besonderen  Waibels.  Die  Soldatenfrauen  kochten,  buken,
wuschen  und  nähten  für  die  Männer.  Im  Kriege  halfen  sie  Schanzen  bauen  und
pflegten  die  Verwundeten.

2.  Buchdruckerkunst.  a)  1410.  Vor  Erfindung  der  Buchdruckerkunst  wurden
die  Bücher  durch  Abschreiben  vervielfältigt,  womit  sich  besonders  die  Mönche  beschäftigten.
  Doch  waren  solche  Bücher  sehr  teuer;  eine  Bibel  bezahlte  man  z.  B.
mit  2—3000  .  X.  Später  schnitt  man  allerlei  Heiligenbilder  in  Holz  und  druckte  sie
ab.  Ebenso  versuchte  man  es  mit  ganzen  Kapiteln  aus  der  Bibel.  Aber  das  war
immer  noch  sehr  mühsam.  Da  kam  Johann  Gutenberg  aus  Mainz  auf  den
Gedanken,  die  Buchstaben  einzeln  herzustellen  und  zu  Wörtern  zusammenzusetzen,
nach  vollendetem  Druck  aber  wieder  auseinander  zu  nehmen  und  zu  anderen  Wörtern
zu  verwenden.  Nach  langen  Versuchen  erfand  er  die  Kunst,  die  einzelnen  Buchstaben
  aus  Metall  zu  gießen.  Die  Geldnot  zwang  ihn,  sich  mit  dem  reichen  Goldschmied
  Fust  und  dessen  Schwiegersohn  Peter  Schöffer  zu  verbinden.  Schöffer
ist  der  Erfinder  der  noch  jetzt  gebräuchlichen  Druckerschwärze.  Die  schon  im  frühen
Mittelalter  gemachte  Erfindung  des  Leinenpapiers  kam  der  Buchdruckerkunst  sehr
zustatten.  Vorher  hatte  man  das  aus  gegerbten  Kalbshäuten  bereitete  Pergament,
später  auch  Baumwollenpapier  verwendet.

b)  Das  erste  große  Druckwerk  war  eine  lateinische  Bibel.  12  Bogen
waren  bereits  gedruckt.  Da  forderte  Fust  sein  geliehenes  Geld  zurück,  und  da  Gutenberg
  nicht  bezahlen  konnte,  gingen  seine  Druckmaschinen  in  die  Hände  Fusts  und
dessen  Schwiegersohnes  Peter  Schöffer  über.  Diese  vollendeten  nun  das  Bibelwerk
und  teilten  sich  den  Gewinn  allein.  Aber  Gutenberg  verzagte  nicht.  Von  einem
Freunde  unterstützt,  fing  er  wieder  einc  eigene  Druckerei  an,  übergab  sie  jedoch  bald
einem  Verwandten.  Der  Erzbischof  nahm  sich  seiner  an  und  sorgte  für  seinen  Lebensunterhalt.
  Drei  Jahre  darauf  ist  Gutenberg  gestorben.

Tc)  Die  ersten  gedruckten  Bücher  erregten  wegen  ihres  billigen  Preises
großes  Aufsehen.  Anfangs  blieb  die  Druckerei  ein  Geheimnis.  Die  Gesellen  arbeiteten
hinter  Schloß  und  Riegel.  Als  aber  die  Fust-Schöffersche  Druckerei  abbrannte,
stoben  die  Druckergesellen  in  alle  Winde,  und  nach  50  Jahren  fanden  sich  bereits  in
allen  Ländern  Europas  Druckereien.  Nun  konnten  auch  weniger  reiche  Leute  Bücher
kaufen  und  sich  daraus  Wissen  und  Bildung  aneignen.  Selbst  die  Kinder  lernten
ietzt  das  Lesen.  Wichtige  Nachrichten  wurden  gedruckt  und  auf  diese  Weise  schnell
verbreitet.  So  entstanden  später  die  Zeitungen.

3.  Sonstige  Erfindungen.  Das  Mittelalter  war  sehr  reich  an  Erfindungen
aller  Art.  Während  früher  zur  Bestimmung  der  Zeit  besonders  Sand--  und  Wasseruhren
  in  Gebrauch  waren,  wurden  diese  jetzt  durch  die  neu  erfundenen  Pendeluhren
  verdrängt,  zu  denen  sich  später  auch  noch  die  in  Nürnberg  erfundenen
Taschenuhren  („Nürnberger  Eier")  gesellten.  Im  Braunschweigischen  erfand
Jürgen  das  Spinnrad.  Auch  Orgeln,  Kompasse,  Sägemühlen  und  Glasspiegel
  sind  Erfindungen  des  Mittelalters.