122 Nahrungsmittel.
befällt, sind überwiegend einer vorübergehenden Kohlensäurevergiftung zuzuschreiben.
Ubelkeit, Kopfschmerz, fahles Aussehen morgens früh beim Aufstehen
kommen vom Kohlensäuregehalt der geschlossenen Schlafzimmer her.
Dort atmen die Menschen, die sich vor der frischen Nachtluft fürchten, ihre
eigenen Auswurfstoffe wieder ein und vergiften sich gegenseitig.
Darum, ihr Mütter und Hausfrauen, die ihr verantwortlich seid für den
Gesundheitszustand der Eurigen, leset diese Zeilen mit Bedacht und gewöhnt euch,
bei offenen Fenstern zu schlafen. Keine Ansammlung von Auswursstoffen
in euren Wohnräumen — Kohlensäure ist der giftigsten einer! — keine Staubwinkel,
dagegen frischer Luftzug bei Tag und Nacht, keinerlei üble Gerüche.
Rote Wangen, ungelähmte Tatkraft, gesunder Appetit werden der Lohn
eures zielbewußten Handelns sein.
Bei Besprechung unserer Wohnungen kommen wir auf Lüftungsvorrichtungen
noch zurück.
Ammoniak entsteht in allen Häusern, in welchen die Aborte nicht gut
gebaut sind. Es ist uns höchst widerlich und den Atmungsorganen unerträglich;
daher wird es geflohen, ohne daß man über seine Giftigkeit erst große Betrachtungen
anstellt. Zuweilen dringt es aber auch in geringen Mengen in
Mauern und in die Luft aller Räumlichkeiten ein; die Bewohner gewöhnen
sich langsam daran und merken es gar nicht mehr, dann wird es sehr gefährlich,
wie jeder unerkannte Feind.
Kann man den Ban des Abortes nicht ändern, dann sorge man wenigstens
für festen Verschluß, gute Türen, lasse das nächste Fenster stets offen, gieße öfter
geruchbindende Flüssigkeiten ein (Holzasche, Chlorkalk usw.) und verlasse die
Wohnung, wenn dies alles nichts hilft. Auch gefündere Wohnungen sind
eine Aufgabe der Zukunft, die aber ihrer Lösung immer näher kommt.
2
Böbenluft, Seeluft, Müstenluft, Maldluft.
In unserer Zeit, in welcher das Reisen so erleichtert ist, beschäftigt sich
bereits alles mit der Frage, wohin man wohl am besten zur Erholung fahre,
in die Höhe oder in die Tiefe, in trockene oder wasserreiche Gegend usw., und die
entferntesten, oft unbedeutendsten Erdenwinkel werden plötzlich aus irgendwelchem
Grunde zu einer besuchten Sommerfrische. Das wäre ja recht schön und gut, um
so mehr, da das häufige Verlassen der Städte vielen Menschen wirklich zur Erhaltung
ihrer Kräfte dringend not tut. Allein es wird nicht immer der richtige
Gebrauch von solchen Reisen gemacht, es bleiben die schönsten Gelegenheiten unausgenützt,
und es wird in törichter Weise viel sauer erworbenes Geld ausgegeben.
Über richtige Benützung der „Sommerfrischen“ aber an anderer Stelle;
zur Orientierung aller Suchenden hier nur einiges über die Vor= und Nachteile
der Höhen= und Seeluft, deren Aufsuchung sozusagen Mode geworden ist.