198 Der Deutsch-dänische Krieg.
vernagelten glücklich eine Batterie, aber diese Heldenthat änderte nichts mehr
in dem Plane, der schon zur Ausführung reif war.
Eine Kolonne bedrohte Alsen, eine andre wurde zum Sturm formiert.
Von jedem Regiment wurden Sturmkompanien ausgelost, die übrigen folgten
in der Reserve. Jedes Regiment sollte der Ehre teilhaftig sein, die Kämpfer
in erster Reihe zu stellen. Den Sturmkolonnen wurden Artillerie= und Genieoffiziere
zur Leitung und Pioniere zur Wegschaffung der Hindernisse beigegeben.
Die letzteren waren mit Axten, Beilen und Spaten, ferner mit Pulversäcken
zum Sprengen der Palissaden versehen.
Gegen zwei Uhr in der Nacht zum 18. wurden die Sturmkolonnen geräuschlos
in die dritte Parallele geführt und dort Verbandplätze eingerichtet.
Es herrschte eine ernste, feierliche Ruhe, das leiseste Geräusch hätte dem Feinde
den drohenden Überfall verraten können. Würdige Geistliche gingen in den
Laufgräben umher, den Leuten, welchen sie vorher das heilige Abendmahl gereicht,
nun auch den letzten Trost zuzusprechen. Jeder mußte auf den Tod gefaßt
sein und daher seine Rechnung abschließen mit dem Himmel; in wenig
Stunden hätte er keine Zeit mehr dazu finden können. Und wie auch die
Herzen ungeduldig pochten, mancher der alten Mutter, des kranken Vaters,
der geliebten Frau und der herzigen Kinder in der Heimat gedachte, keiner
sehnte sich davon, er hätte nie wieder das Auge aufschlagen können vor den
Kameraden seines Regiments.
Die Sechziger aber murmelten finster: „Rache für unsern geliebten
Führer!“ Und wo immer ein Krieger in den früheren Gefechten den Heldentod
eines Kameraden oder eines Führers gesehen, da rief es jetzt in ihm:
„Wir schulden diesen Toten den Sieg, ihr Blut soll nicht vergebens geflossen
sein auf dieser Erde!“
Langsam rollen die Stunden dahin; die Arzte legen die Amputiermesser
und Bandagen bereit, die Arbeiter erscheinen mit Leitern zum Erklettern der
Gräben; die furchtbare Kanonade, die acht Stunden hindurch alle Schanzen
mit einem Eisenhagel überschüttet, verstummt plötzlich — die Glocke von Düppel
schlägt die zehnte Stunde — da ertönt das Kommando und, die Offiziere voran,
geht es mit donnerndem Hurra auf die Schanzen. Aus allen Laufgräben der
Parallele klettern die Tirailleurschwärme empor, Musikchöre spielen auf, der
Sturmmarsch der anrückenden Reserven ertönt in der Ferne, Siegesjubel donnert
aus tausend und abertausend Kehlen.
Die Wälle der Schanzen beleben sich plötzlich, Kartätschen hageln auf die
Stürmenden nieder und schmettern ganze Reihen zu Boden; aber die Heldenschar
sieht nicht auf die Fallenden, sie blickt nur auf das Ziel, und ohne einen
Schuß zu thun, stürmt sie vorwärts.
Tags vorher hatten Überläufer die Nachricht gebracht, vier feindliche Geschütze
seien demontiert. Dessen erinnert. sich jetzt der Füsilier Brörs und
fängt im heftigsten Feuer zu deklamieren an:
„O Hannemann, o Hannemann,
Da sieh nur deine Schanzen an;
Vier Kanonen sind schon entzwee,
Die andern kommen an die Spree.“