Volltext : Kriegführung und Politik.

Die  Propaganda,  ein  Mittel  der  Kriegführung.  187

Frankreich,  Italien  und  den  übrigen  Teilen  des  Mittelländischen
Meeres.

Die  deutsche  Kriegführung  hatte  damit  wieder,  freilich  nur  in
gewisser  Weise,  die  Vorhand  an  sich  genommen.  Während  sie  zu
Lande  gegenüber  den  mächtigen  Rüstungen  der  Feinde  in  der  reinen
Abwehr  verharrte,  gespannt,  wo  der  Feind  zum  Angriff  ansetzen
würde,  und  wohin  sie  Reserven  werfen  müßte,  war  sie  zur  See  zum
entscheidungsuchenden  Angriff  übergegangen,  allerdings  nicht  zur
unmittelbaren  Herbeiführung  der  Waffenentscheidung,  sondern  einer
Entscheidung,  die  zunächst  auf  wirtschaftlichem  Gebiet  lag.

Das  Schicksal  des  Landes  stand,  um  mit  Friedrich  dem  Großen
zu  sprechen,  nicht  auf  dem  Ausgang  einer  Schlacht,  sondern  auf  der
mehrmonatigen  Wirkung  des  U-Bootkrieges.

Inzwischen  hatte  es  sich  als  zwingende  Notwendigkeit  herausgestellt,
  durch  großzügige  Erweiterung  der  Propaganda  die  rein
militärische  und  die  mit  dem  uneingeschränkten  U-Bootkrieg  einsetzende
  wirtschaftliche  Kriegführung  durch  die  Kriegführung  gegen
den  Geist  der  feindlichen  Bölker  und  Heere  umfassend  zu  ergänzen.
Das  sollte  naturgemäß  auch  dem  Geist  des  deutschen  Volkes  zugute
kommen.  Es  galt,  zur  Sicherung  des  Endsieges  die  Geschlossenheit
der  feindlichen  Völker  zu  erschüttern  und  ihnen  den  Glauben  an  den
Sieg  zu  nehmen.  Dabei  war  die  Wirkung  etwaiger  militärischer  Erfolge
  des  Vierbundes  zu  vertiefen  und  die  Geschlossenheit  und  der
Siegeswille  des  deutschen  Volkes  zu  betonen.

Nicht  nur  im  Innern,  auch  an  der  feindlichen  Front  selbst
mußte  in  Ausübung  der  Propaganda  die  Politik  die  Gehilfin  der
Kriegführung  werden.  Die  Lage  erforderte  ein  enges  Zusammenwirken
  beider  zum  Brechen  des  feindlichen  Willens.  Ich  habe  aber
schon  gezeigt,  wie  weit  wir  davon  entfernt  waren,  und  wie  unsere
Innenpolitik  den  entgegengesetzten  Weg  ging  und  damit  den  feindlichen
  Kriegswillen  stärkte.

Wir  wissen  es  aus  der  Geschichte  des  Weltkrieges,  aus  den
Namen  Bolo  Pascha  und  Caillaux,  aus  dem  Vorgehen  der  Gerichte
der  Vereinigten  Staaten  und  vielem  anderen,  mit  wie  starker  Hand