Full text : Geschichte der Hohenzollern.

oft  manch  stattliches  Ingenium,  so  den  Studiis  obliegen  und  künftig  E.  K.  D.
und  dem  Vaterlande  nuͤtzliche  Dienste  leisten  könnte,  wegen  Mangel  der  Mittel
versäumt,  auch  wohl  gar  ad  desertionem  studiorum  gebracht  wird“  —  u.  s.  w.

Die  Lehrer  waren  so  schlecht  besoldet,  daß  sie  ihres  Lebensunterhaltes
wegen  zu  anderen,  mit  ihrem  Berufe  keinesweges  übereinstimmenden  Beschäftigungen
  greifen  mußten.  Noch  im  Jahre  1670  verklagte  die  Stadt  Cremmen
ihren  Schulrektor,  weil  er  sich  mehr  mit  dem  Handel  abgebe,  als  mit  Erziehung
der  Jugend.  Das  Kammergericht  entschied  in  dieser  Sache  dahin,  daß  der  Verklagte
  die  Woll-,  Tabacks=  und  andere  Handlung,  wenn  er  Schulrektor  bleiben
wolle,  anstehen  lassen,  durante  inquisitone  sein  Amt  fleißig  verwalten  solle.
Wolle  Verklagter  auch  zu  Tische  gehen  (bei  den  Bürgern  nämlich),  so  stehe  ihm
dies  frei,  wie  auch,  wenn  ihm  einer  oder  der  andere  für  den  Tisch  Geld  zu
geben  geneigt  sei.

Von  den  beiden  berühmten  Gelehrtenschulen,  welche  den  Kurfürsten  Joachim
  IUI.  und  Joachim  Friedrich  ihr  Entstehen  verdankten,  war  die  Stiftung
des  Letzteren,  das  Joachimsthal,  durch  den  traurigen  Religionskrieg  fast  gänzlich
  zu  Grunde  gegangen.  Im  Jahre  1636  waren  die  Besitzungen  der  Schule
geplündert,  die  Wohngebäude  niedergebrannt,  die  Einwohner  nebst  der  Schulgesellschaft
  verjagt  worden.  Vergebens  hatte  Schwarzenberg  ihre  Wiederherstellung
  versucht,  erst  der  große  Kurfürst  erwarb  sich  dies  löbliche  Verdienst.  Im
Landtagsabschied  von  1653  versprach  er,  „daß  die  zur  Fürstenschule  bestimmten
Legate  wieder  dahin  verordnet,  und  einstweilen  die  Einkünfte  des  Amtes  Dambeck
  und  der  vierte  Theil  der  Einkünfte  von  den  Unterstiftern  zu  Halberstadt  zur
Unterstützung  der  Schule  überwiesen  werden  sollen.  Schon  zwei  Jahre  darauf
wurde  das  Gymnasium  nach  Berlin  verlegt,  und  zu  gleicher  Zeit  einigen  Mitgliedern
  der  berlinisch  -reformirten  Gemeinde  ebenso  wie  für  die  Schule  in  Cöln
an  der  Spree  auch  über  diese  Anstalt  die  Mitaufsicht  übergeben.  Dies  war  ein
wesentlicher  Schritt  zur  künftigen  Ausgleichung  konfessioneller  Gegensätze,  da
gerade  die  in  Rede  stehende  Anstalt,  welche  ihrer  Gründungsurkunde  nach  die
Bestimmung  hatte,  „die  Kinder  in  rechter,  reiner  und  unverfälschter  (d.  h.  streng
lutherischer)  Lehre  zu  erziehen“,  ein  Tummelplatz  der  allerärgerlichsten,  religiösen
Streitigkeiten  gewesen  war.  Da  es  an  einem  passenden  Lokale  fehlte,  rdumte
Friedrich  Wilhelm  der  Schule  einige  Zimmer  in  dem  Vordertheile  seines  Schlosses
  ein,  während  seine  Mutter,  von  eben  dem  edlen  Geiste  wie  er  selbst  durchdrungen,
  einige  hundert  Thaler  ihres  Wittwengehaltes  zur  besseren  Unterhaltung
  derselben  opferte.

Nicht  ganz  so  unglücklich  wie  dem  Joachimsthal,  war  es  dem  Berlinischen
Gymnafium,  oder  wie  es  gewöhnlich  hieß,  der  Schule  am  grauen  Kloster  gegangen;
  allein  auch  hier  stand  es  in  Bezug  auf  die  Mittel  schlimm  genug,  denn
die  Lehrer  waren  angewiesen,  abwechselnd  bei  den  Bürgern  den  Mittagstisch
einzunehmen.  Da  Friedrich  Wilhelm  die  großen  Uebelstände,  welche  hieraus  erwuchsen
  und  die  gesegnete  Thätigkeit  der  Lehrer  hemmen  mußten,  einsah,  wies