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Die Sterreichisch-ungarische Monarchie. 313
gen lasse. Das Prädikat des Conservativismus nimmt der Ministerpräsident
auch für das Ministerium in Anspruch, das gielbewußt seine Bahnen wandle
und sich von diesen weder nach richts noch nach links abdrängen lasse. Am
entschiedensten und mit großer Wärme tritt Fürst Auersperg den Worten
eines Redners entgegen, der aus der Annahme der confessionellen Gesetze —
den Untergang des Reiches, ja der Dynastie in Aussicht stellte. Unter lebhaftem
Beifall erklärt der Fürst, daß die Dynastie auf der unerschülterlichen
Liebe und Anhänglichkeit aller Stämme an dieselbe ruhe, und nach seiner
innersten Ueberzeugung sie sowohl als das Reich für alle Ewigkeit dauern
werde. Von der Annahme oder Ablehnung der vorliegenden Gesetze könne
der Bestand des Thrones wie des Reiches gewiß nicht abhängen, und er
müsse sich auf das entschiedenste verwahren, daß man bei jedem mißliebigen,
weil fortschrittlichen, Gesetze gleich den Bestand des Reiches oder Thrones
für gefährdet erkläre. Unter dem Eindruck der Anersperg, schen Rede schreitet
man zur namentlichen Abstimmung, die eine Reihe interessanter Erscheinungen
zu Tage fördert. Von den Kirchenfürsten stimmen alle selbstverständlich
fUr die Tagesordnung, den griechisch- orientalischen Ergbischof von Czernowitz,
Bendella, ausgenommen, der mit der liberalen Partei sein Botum für die
Reform in die Wagschale wirft. Die sliberaken im Herrenhause sstenden.
Auersperge, beide Rürsta Liechtenstein, Fürst Rosenburg, Graf Taasse, Landraf
Fürstenberg, R. v. Höfler, Graf Wilczek, Fürst Lippe-Schaumburg, die
Filbpruameister Namming, Degenfeld, Hauslab, Frhr. v. Krauß und andere
sind unter der Mehrheit. Die Minderheit bildet der Episcopat, Fürst
Richard Metternich, Graf Rechberg, Graf Potozki, Graf Clam-Gallas, Fürst
Joh. Ad. Schwarzenberg, Leo Thun (die anderen drei im Hause sitzenden
Mitglieder der Familie stimmen mit der Mehrheit) und andere. Mit der
Abstimmung ist das Schicksal der Vorlagen im Herrenhaus überhaupt entschieden
und sichergestellt.
April. (Oesterreich.) Der Papst ernennt den Msgr. Jacobini zum
Nuntius in Wien und derselbe reist aufs schleunigste dahin ab, „um
zu retten, was noch zu retten ist"“.
„ (Oesterreich.) Abg.-Haus: nimmt das dritte der 4 confessionellen
Gesetze, über die Anerkennung von Religionsgesellschaften, an.
„ (Oesterreich.) Abg.-Haus: tritt den unbedentenden Modificationen
des Herrenhauses bez. des ersten und wichtigsten der vier confessionellen
Gesetze bei, so daß darüber wenigstens bereits Gesammtbeschluß
besteht.
„ (Oesterreich-Ungarn.) Eröffnung der Delegationen in Ofen.
Das gemeinsame Ministerium legt denselben das Budget für 1875
vor.
. (Oesterreich.) Herrenhaus: genehmigt auch das zweite der confessionellen
Gesetze, indem es zwar, den Wünschen des Clerus Rechnung
tragend, die Steuerscala nicht unwesentlich abändert, ohne jedoch
das Princip zu alteriren, mit 66 gegen 20 Stimmen.
25—29. , (Oesterreich.) Abg.-Haus: Debatte über das vierte und
letzte confessionelle Gesetz, betr. die Klöster. Die Mehrheit beschließt
ein Amendement, daß zur Errichtung von Orden und Ansiedelung
von Klöstern fortan ein Reichsgesetz nothwendig sei, und zweitens, daß
in die Klöster nur österreichische Staatsbürger eintreten und Vorsteher