Volltext : Hermann Stegemanns Geschichte des Krieges. Zweiter Band. (2)

Die  Schlacht  bei  Ppern  (dritte  Phase)  133

zu  krönen.  Es  war  ein  harter  Entschluß,  denn  die  alten  Korps  hatten  in
großen  Schlachten  schwere  Blukopfer  gebracht  und  durch  Märsche,  Werschiebungen
  und  neue  Kämpfe  gelitten  und  die  jungen  Reservetruppen  nur
eine  kurze  Ausbildung  genossen  und  schon  beträchtlich  an  Stärke  eingebüße.
Dazu  kam,  daß  die  Erskarrung  der  Fronten  immer  mehr  Areillerie  verlangte
und  ständiger  Mangel  an  Geschüten  und  Schießvorrat  drohte.

Franzosen  und  Engländer  standen  am  31.  Oktober  um  Ppern  in  einer
der  stärksten  natirlichen  Verteidigungsstellungen  des  westlichen  Kriegs.
theaters.  Ihre  Linie  begann  bei  Steenstraate  und  lief  am  Kanal  aufwärts
nach  Bixschote.  Von  Gixschote  führte  sie  über  Langemark,  Gheluvelt,
Zillebeke  und  Hollebeke  im  Bogen  um  die  Stadt  PBpern,  um  südlich  von
Ppern  über  Wuytschaeke  und  an  Messines  vorbei  ins  Holz  von  Ploegsteert
nach  dem  Douvegrund  zu  ziehen  und  bei  Armentières  den  Abschnitt  von
La  Bassée  zu  erreichen.

Die  im  Raume  PBpern  fechtende  englisch-französische  Kampfgruppe
hatte  sich  auf  der  Linie  Bixschote—Langemark—Gbheluvelt—Hollebeke  eine
Hauptstellung  geschaffen,  die  Bpern  in  einer  Enefernung  von  10  Kilometern
in  einem  Halbkreis  umgab  und  eine  mächtige  Llünerte  darstellte.  Sie  saß  im
Norden  auf  dem  VPpernkanal  auf  und  lehnte  sich  im  Süden  an  die  Höhenwelle
  von  Messines  und  Wyeschaete,  hinter  der  sich  als  Zitadelle  der  Kemmelberg
  erhob,  der  mit  englischen  Marinegeschügen  bestücke  wurde.  Als  nördlicher
Schulterpunkt  war  der  auf  einer  Bodenschwelle  gelegene  Ort  Langemark
ausgebaut  und  mite  tiefen  Grabenstellungen  umgeben  worden.  Zwischen  Bix.
schote  und  Langemark  stand  d'#Arbals  Hauptmacht,  zwischen  Langemark
und  Armentières  die  Hauptmasse  des  I.  und  IV.  Britenkorps,  das  Kavalleriekorps
  Allemby,  die  vom  linken  Flügel  herangezogene  Kavallerie
Conneaus  und  der  verstärkte  linke  Flügel  des  III.  Bricenkorps.  D'Urbal
hatte  jecht  mindestens  3  Korps,  2  bis  3  Kavalleriedivisionen  und  2  Lerritorialdivisionen
  zur  Stelle  und  die  britische  Front  durch  starke  Abgaben  gepolsterk.
Das  Vorgelände  war  von  den  kriegserfahrenen  englischen  Berufssoldaten
und  den  anstelligen  Franzosen,  unter  denen  alte  Troupiers  aus  den  Kolonien,
Senegalesen,  Turkos  und  Zuaven  fochten,  in  ein  Labyrineh  von  Feldbefestigungen
  verwandelt  worden.  Die  kleinen  Erdbuckel,  die  Wäldchen,  die  Einzel.
höfe  und  die  stark  gebauten  Ortschaften  starrten  von  Verteidigungsmitteln.
Das  Widerstandszentrum  Vpern  war  durch  Straßen  und  Bahnen  fest  mit
DPoperinghe  und  dem  Hinterland  von  Bailleul,  St.  Omer  und  ODünkirchen
verbunden  und  speiste  die  Front  unablässig  mit  Kriegsbedarf  und  Merstärkungen.


Die  Armeen  des  Herzogs  von  Württemberg  und  des  Kronprinzen  von
Bayern  hatten  sich  am  31.  Oktober  so  nahe  an  diese  Geländefestung  heran.
gearbeitet,  daß  sie  Bixschote,  Langemark,  Gheluvelt  und  Messines  dicht
gegenüberlagen.  Es  war  ein  blutiges  BVordringen.  Auf  den  Dachböden