Full text: Reichs-Gesetzblatt. 1900. (34)

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2. solange der berechtigte Ausländer nicht im Inlande seinen gewöhnlichen 
Aufenthalt hat. Diese Bestimmung kann durch Beschluß des Bundes— 
raths für bestimmte Grenzgebiete oder für solche auswärtige Staaten, 
durch deren Gesetzgebung deutschen, durch einen Betriebsunfall verletzten 
Arbeitern eine entsprechende Fürsorge gewährleistet ist, außer Kraft 
gesetzt werden; 
3. solange der berechtigte Inländer im Auslande sich aufhält und es 
unterläßt, der Berufsgenossenschaft seinen Aufenthalt mitzutheilen. 
Das Reichs-Versicherungsamt hat über die Mittheilung des Auf— 
enthaltsorts nähere Vorschriften zu erlassen und darin anzuordnen, daß 
der Rentenberechtigte sich von Zeit zu Zeit bei einem deutschen Konsul 
persönlich vorzustellen hat. 
Weist der Entschädigungsberechtigte nach, daß er der Vorstellungs— 
pflicht ohne sein Verschulden nicht hat genügen können, so lebt insoweit 
das Recht auf den Bezug der Rente wieder auf. 
Kapitalabfindungen. 
S. 72. 
Ist bei theilweiser Erwerbsunfähigkeit eine Rente von fünfzehn oder weniger 
Prozent der Vollrente festgestellt, so kann nach Anhörung der unteren Verwaltungs- 
behörde die Berufsgenossenschaft den Entschädigungsberechtigten auf seinen Antrag 
durch eine entsprechende Kapitalzahlung abfinden. Der Verletzte muß vor An- 
nahme seines Antrags darüber belehrt werden, daß er nach der Abfindung auch 
in dem Falle keinerlei Anspruch auf Rente mehr habe, wenn sein Lustand sich 
erheblich verschlechtern würde. Gegen den Bescheid, durch welchen die Kapital- 
abfindung festgesetzt wird, ist Berufung (G. 67) zulässig. Das Rechtsmittel hat in 
diesem Falle aufschiebende Wirkung. Bis zur Verkündung der Entscheidung kann 
der Antrag zurückgezogen werden. Die Entscheidung des Schiedsgerichts ist endgültig. 
Sie kann nur auf Bestätigung oder auf Aufhebung des Bescheids lauten. 
Ist der Entschädigungsberechtigte ein Ausländer, so kann er, falls er seinen 
Wohnsitz im Deutschen Reiche aufgiebt, auf seinen Antrag mit dem dreifachen 
Betrage der Jahresrente abgefunden werden. Durch Beschluß des Bundesraths 
kann diese Bestimmung für bestimmte Grenzgebiete oder für die Angehörigen 
solcher auswärtiger Staaten, durch deren Gesetzgebung deutschen, durch Unfall 
verletzten Arbeitern eine entsprechende Fürsorge gewährleistet ist, außer Kraft 
gesetzt werden. 
Diese Bestimmungen finden auch Anwendung auf solche Renten, welche 
vor dem Inkrafttreten dieses Gesetzes festgestellt worden sind. Wird eine solche 
Abfindung im Laufe der ersten drei Jahre nach Inkrafttreten des Gesetzes aus- 
gesprochen, so sind die Berufsgenossenschaften berechtigt, die erforderlichen Mittel aus 
dem angesammelten Reservefonds zu entnehmen. Dieser ist dann nach näherer 
Anordnung des Reichs-Versicherungsamts (I. 17 Abs. 2) wieder zu ergänzen. 
Reichs-Gesetzbl. 1900. 74
	        
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