Full text : Briefe und Akten zur Geschichte des Dreissigjährigen Krieges. Neunter Band. (9)

April  17.

April  17.

356  1611  146—  147.

hiebevor,  ehe  es  zu  diesem  laidigen  stand  gerathen  und  doch
gleichwol  gnuegsame  vermuetung  denselben  prognosticiert,  raht  geschafft
  werden  können,  solches  villeicht  fieglicher  geschehen  were,
vmb  sovil  desto  mer  ich  nun]!  wünsche,  dass  jezt  solche  wichtige
geheufte  puncten,  die  an  inen  selbst  hochnotwendig,  iren  gueten
effect  erlangen.“  Datum  München  den  17.  aprilis  a.  1611.

Ma.,  899,  f.  35;  Kptkople  mit  eigenhändigen  Zusätzen  des  Herzogs.

147.  Der  Herzog  von  Braunschweig  an  den  Kurfürsten
von  Sachsen.

„Ich  habe  Dein  schreiben?  entphangen  vnd  inhalts  daraus
verstanden,  das  sich  nhu  mein  her  bruder  der  röm.  kal.  M.*  geferlichen
vnd  betrubten  zustand  zu  herzen  gehen  lassett  vnd  sich  gegen
I.  M.!  so  hoch  erbietten  thun.  Dasselbige  hab  ich  gern  vernommen,
wil  es  auch  I.  ksl.  M.'  undertbenigst  zu  rumen  wissen.  Ob  nhu
wol  Dein  schreiben  ahn  die  stende®  ausfurlich  vnd  beweglich,  so
wirdet  doch  dasselbige,  weyl  leyder  der  gemeine  pobel  mittregirtt,
wenig  frucht  schaffen.  Den  landtagk  haben  I.  M.  in  praefixo
termino,  wie  ihn  die  stende  vorgeschlagen,  ausschreiben  müssen
vnd  haben  I,  M.'  dahero  keine  lenger  dilation  vergonnen  wollen.
Damitt  nhu  nicht  etwa  IL  kel,  M.‘  ein  grosser  schimpf  daraus  entstehen
  mog,  dieweyl  sie  sich  austrucklich  verlautten  lassen,  wofern
I.  M.'  begerter  massen  nicht  den  landtag  ausschreiben  wurden,  das
sie  alsdan  solches  vor  sich  thun  woltten,  als  haben  sich  L  M.!  bequomen
  mussen.

So  haben  sie  es  auch  bey  voriger  wachtbestellung  nicht
bewenden  lassen  sondern  auff  alle  genge,  dahin  I.  M.*:ihres  leibes
recreation  halber  zu  spatziren  geben  pflegen,  schiltwachen  gestellet,
wie  dan  auch  vor  wenig  tagen  einer  I.  M.‘,  als  sie  zum  fenster
hinausgeschauet,  die  muschetten  nach  dem  gesichtt  gehaltten;  *  in
summa  es  ist  nhur  lautter  crucifige  und  alles,  was  sie  durch  guttliche
  und  scharfe  fragen  von  I.  M.'  eingezogene  diener  erfaren
konnten,  nhur  disen  frommen  altten  hern  zu  vnderdrücken  vnd  bey
der  gantzen  weltt  verhast  zu  machen,  daran  wirdet  nichts  vnderlassen.


Gott  sey  mein  zeuge,  das  mir  mein  herz  so  webe  thutt,  das
mir  manchmal  die  tranen  ihn  die  augen  kommen,  wan  ich  den
fromen  altten  hern  anschaue,  wie  dan  auch  L  M.*  allen  ihren  trost
auff  mich  gesetzet  und  sie  nicht  zu  verlassen  ganz  gnedigst  begertt

!  Vom  Herzog  getilgt.

2  Vom  2./12.  April;  vgl.  oben  no.  131,  S.  319,  Anm.  1.

®  Vom  gleichen  Tag;  vgl.  das  Zitat  auf  8.  319,  Anm.  1.

*  Vgl.  oben  no.  131,  8.316,  Anm.  1  und  F.  Hurter,  Geschichte
Kaiser  Ferdinands  II.,  VI,  8.  489,  wonach  diese  Bedrohung  des  Kaisers
durch  die  Wache  der  Anlass  zu  dem  bekannten  Fluch  wurde,  den  Rudalf
über  die  Stadt  Prag  und  Böhmen  ausgesprochen  haben  soll.