192 Goettingen, Universitäts -Bibliothek
Histor.657 22 Bände zu 301/, :211/,cem- 16 Jahrh. bis
etwa 1566 (nur wenig aus dem 15 Jahrh.)
“Manuscripta Zuichemiana”. Reichhaltige Sammlung von
Urkunden und andern Schriftstücken zur Geschichte des deutschen
Reichs und vor allen Dingen der Niederlande, 802—1566.
Viglius ab Aytta, oder, wie er selbst sich nannte, Viglius Zuichemus
(von Zuiechem) wurde 1507 zu Barrahuys in Friesland geboren
und starb 1577 in Brüssel; vgl. über sein Leben C. P. Hoynck
van Papendrecht, Analecta Belgieca, besonders Band I, 1 (1743), in
dem die Selbstbiographie des Viglius gedruckt ist. Nachdem er
seit 1531 in Padua Rechtswissenschaft gelehrt, seit 1535 als Assessor
(für Burgund) am Reichskammergericht zu Speier gewirkt und von
1537 an eine Professur in Ingolstadt bekleidet hatte, wurde er 1541
von der Königin Maria von Ungarn in ihren Geheimen Rath zu Brüssel
berufen, dessen Praesidium er 1549 nach dem Tode des Ludovicus
a Schora (van Schoore, Schoranus) übernahm und bis 1565 führte;
1544 hatte ihn auch der Kaiser in den Reichshofrath berufen.
Philipp II berief ilın 1556 noch in sein Consilium Status Belgiei
und ernannte ihn 1559 zum Bibliothekar.
In Brüssel entfaltete Viglius eine reiche politische Thätigkeit; an
vielen wichtigen Verhandlungen war er betheiligt: so leitete er die
Verhandlungen auf dem Reichstage zu Augsburg wegen der Stellung
der Niederlande zum Reich 1548 und nahm als Gesandter an den
Friedensunterhandlungen mit Frankreich in den Jahren 1555/9 theil.
Seine Papiere hat Viglius 1577 in seinem Testament (Hoynck
v. Papendrecht Anal. Belg. I, 1, 203) seinen 3 Neffen vermacht, mit
Ausnahme seines Briefwechsels, den er für das Collegium Zuichemianum
in Loewen bestimmte; von den “seripta alicujus momenti’,
die “tempore Praesidatus consilii imperialis et Regiae majestatis’ in
seine Hände gelangt seien, giebt er (ebenda S.212) an, dass er sie
bereits den Vorstehern der Archive und den Seeretären ausgehändigt
habe. Zu dieser letzten Klasse werden wohl die Göttinger Hss. gehören.
Andere Zuichemiana sind namentlich in Brüssel; ferner in
Paris.
Die Göttinger Papiere stammen zum Theil schon von Viglius’
Vorgänger Schore, wie viele von diesem geschriebene Schrifistücke
zeigen ; auf den meisten befinden sich Inhaltsangaben von Viglius,
von Schore oder andern, die in der folgenden Beschreibung meist benutzt
sind. Ein Theil der Schriftstücke gestattet einen Blick auf
Viglius’ Thätigkeit; andere wieder sind von ihm nur als Material gesammelt,
so z. B. die Sammlungen von ältern Verträgen; wenige
Stücke sind nur als Formulare aufbewahrt.
Die Zusammenstellung der Schriftstüicke zu 22 Bänden ist im
16 Jahrh. erfolgt, wie einzelne alte Bandzahlen und die alten
Titel vor den meisten Bänden beweisen, die wohl von einem Schreiber
des Viglius herrühren. Auch die Blattzählung der meisten Bände (in
der auch die oft zahlreichen leeren Blätter mitgezählt sind) stammt
aus dieser Zeit. Ursprünglich waren jedenfalls die Stücke jedes
Bandes durch eine Schnur vereinigt; die Spuren dieser Heftung zeigen
alle Bände ausser Bd.14 (der schon früher gebunden wurde) in den