Full text: Deutsche Geschichte im 19. Jahrhundert. Dritter Teil. Bis zur Juli-Revolution. (26)

194 III. 3. Troppau und Laibach. 
der auch in der Kammer unter brausendem Beifall das schwere Geschütz 
der revolutionären Phrasen — Pillnitz, Coblenz und die Theilung Polens — 
gegen den Laibacher Congreß spielen ließ. Die deutschen Zeitungsleser 
stimmten aus vollen Herzen in den Jubel ein und ließen sich in ihrer 
Bewunderung keineswegs stören, als Gentz mit überlegenem Hohne nach- 
wies, dieser Held zweier Welten sei im Grunde nur ein von Eitelkeit 
aufgeblähter mittelmäßiger Kopf. 
Wunderbar, wie das stille Deutschland durch den Anblick der helleni- 
schen Kämpfe mit einem male wieder tief und nachhaltig bewegt wurde. 
In der philhellenischen Schwärmerei fanden sich fast alle Richtungen des 
deutschen Lebens zusammen: der Freiheitsdrang der Liberalen, die Kreuz- 
fahrergesinnung der christlichen Teutonen und die romantische Lust am 
Fernen und Wunderbaren. Allen voran standen Metternich's alte Feinde, 
die Gelehrten und ihre jungen Schüler, denen die Heldenkämpfe von 
Marathon und Salamis noch frisch im Herzen lebten. Der greise Voß, der 
sich für den deutschen Freiheitskrieg nur mäßig erwärmt hatte, erhob jetzt 
freudig seine Stimme; der Uebersetzer Homers wollte nicht zurückstehen 
wenn es galt die Dankesschuld der neuen Zeit an die schöne Heimath der 
europäischen Gesittung abzutragen, und jubelnd feierte Thiersch seinen 
Göcokog in eleganten griechischen Distichen als den Vorfechter der musen- 
geborenen Freiheit. Jacobs und Hufeland stimmten mit ein, der Schweizer 
Orelli übersetzte die politischen Ermahnungen des alten Korais an seine 
Landsleute. Tzschirner in Leipzig hielt von der Kanzel der Thomaskirche 
eine philhellenische Predigt, sein schreibseliger Genosse Krug erließ den 
ersten Aufruf zur Bildung von Hilfsvereinen, und bald wanderte in vielen 
deutschen Städten der Gabenkasten mit dem weißen Hellenenkreuze von 
Thür zu Thür. Der Gedanke, für ihre eigenen Parteizwecke Geldopfer zu 
bringen, lag dieser gelehrten Nation noch ganz fern; doch für die halb- 
sagenhaften Kämpfe eines fremden Volkes steuerte sie willig, die Kinder 
leerten ihre Spaarbüchsen, und Rückert sang: 
Alle Geister, welche danken 
Euern Weisen einen Strahl, 
Treten mit Euch in die Schranken, 
Rufen Sieg auf Euern Stahl. 
Die Theilnahme für die kriegerischen Bergstämme des Südostens war 
in den gelehrten Kreisen schon seit Jahren durch Byron's farbenglühende 
Schilderungen und durch die schönen Volkslieder der Neugriechen erweckt, 
dann durch die zahlreichen jungen Hellenen, die auf den deutschen Hoch- 
schulen studirten, wach erhalten worden; nun schien die Wirklichkeit die 
kühnsten Träume zu überbieten, denn immer wieder berichteten die Blätter 
von den verwegenen Fahrten der schnellsegelnden Delphine von Hydräa, 
von den glücklichen Berggefechten des Odysseus und seiner waghalsigen 
Klephten. Dort auf der See und im Hochgebirge blieben die Griechen
	        
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