Contents : Das Reichs- und Staatsangehörigkeitsgesetz vom 22. Juli 1913.

140  Erstes  Buch.  II.  Abschnitt.  Die  Gestaltung  der  Edelmetallverhältnisse.

Produktions-  als  auch  in  den  Nachfrageverhältnissen  der  beiden  Edelmetalle.


Die  enorme  Zunahme  der  Goldgewinnung  infolge  der  Entdeckung
der  Goldfelder  in  Kalifornien  und  Australien  ist  bereits  dargestellt
worden.  In  den  zwei  Jahrzehnten  von  1850  bis  1870  wurde  Gold  produziert
  im  Gewicht  von  nahezu  4  Millionen  kg  und  im  Werte  von
fast  11  Milliarden  Mark.  Diese  Vermehrung  des  Weltgoldvorrates  war
größer  als  der  heutige  Goldumlauf  in  Deutschland,  Frankreich  und
England  zusammen  genommen,  der  insgesamt  nur  etwa  10  Milliarden
Mark  erreicht.  Der  Kulturwelt  war  auf  einen  Schlag  das  Material
für  eine  erhebliche  Ausdehnung  des  Gebrauches  von  Goldgeld  zur  Verfügung
  gestellt,  und  das  in  einer  Zeit,  in  der  ein  glänzender  Aufschwung
  der  Produktions-  und  Transporttechnik  überall  auf  wirtschaftlichem
  Gebiete  die  Verhältnisse  ins  riesenhafte  wachsen  ließ,  in  der
durch  die  Vergrößerung  der  Umsätze  und  die  Steigerung  des  Verkehrs
ein  wertvolleres  und  deshalb  bequemeres  Zalılungsmittel  als  das  Silber
immer  mehr  als  ein  dringendes  Bedürfnis  erschien.

Gleichzeitig  mit  dem  enormen  Neuangebot  von  Gold  trat  eine  beträchtliche
  Steigerung  der  Nachfrage  nach  Silber  ein  und  zwar  zur
Versendung  nach  Asien.  Der  Bedarf  war  teilweise  verursacht  durch
große  indische  Silberanleihen,  die  zu  Eisenbahnbauten,  zur  Bekämpfung
der  häufig  wiederkehrenden  Hungersnot  und  zur  Unterdrückung  des
großen  Eingeborenenaufstandes  von  1857  aufgenommen  wurden.  Zum
anderen  Teil  lag  der  Grund  der  vermehrten  Silber  verschiffungen  in  der
gesteigerten  indischen  Ausfuhr.  Vor  allem  machte  der  amerikanische
Bürgerkrieg  für  einige  Jahre  die  Zufuhr  von  Baumwolle  aus  den  Südstaaten
  der  Union  unmöglich,  und  die  europäische  Baumwollindustrie
sah  sich  dadurch  genötigt,  Ersatz  in  der  indischen  Baumwolle  zu
suchen.  Indiens  Mehrausfulr  von  Waren  entwickelte  sich  in  jener

Zeit  folgendermaßen:
Mehrausfuhr  von  Waren

Durchschnittlich  pro  Fiskaljahr  (1000  Rupien)
1840/41  —  1849/50  65170
1850/51  —  1859/60  88  240
1860/61  —  1864/65  254110
1865/66  —  1869/70  201000

Auf  Grund  dieser  Verhältnisse  nahm  die  Silberausfuhr  nach  Indien
einen  gewaltigen  Umfang  an.  In  einzelnen  Jahren  überstieg  Indiens
Nettoeinfuhr  von  Silber  die  gesamte  gleichzeitige  Neuproduktion  der
Erde,  wie  sich  aus  nebenstehender  Zusammenstellung  (S.  141)  ergibt.

In  der  zweiten  Hälfte  der  50er:  Jahre  hat  Indien  etwa
172000  kg  Silber  pro  Jahr  mehr  absorbiert,  als  gleichzeitig  neu  produziert
  wurde,  und  auch  in  der  ersten  Hälfte  der  60er  Jahre  blieb