66. Jahrgang. 3. 2. Februar 1901.
Dr. J. N. Seuffert's
Blätter für Rechtsanwendung.
Herausgegeben von
Dr. Julius von Staudinger.
Juhalt: l. Das gesetzliche Pfandrecht des Vermiethers ergreist die vom Miether eingebrachten Sachen,
soweit sie nicht nachweislich Eigenthum eines Dritten sind. II. Welche Schupmittel stehen
dem im Urkundenprozesse durch Vorbehalksuriheil verurtheilten Beklagten zur Seite?
III. Rechisprechung: Reichsgericht in Civilsachen: Vayr. Oberstes Landesgericht in München.
I. Das geletzliche Wsandrecht des Vermiethers ergreift die vom
AMiether eingebrachten Sachen, soweit sie nicht nachweislich Eigenthum
eines Dritten sind.
Von W. Ch. Francke, Oberlandesgerichtsrath a. D. in Hannover.
Mauche, insbesondere Reichsgerichtsamwalt Stesser in der Deutschen
Juristen-Zeitung von 1900 S. 202, erstrecken das gesetzliche Pfandrecht
des Vermiethers auf Grund des § 559 Satz 1, der §§ 1257 und 1205 fg.
BGB. auch auf diejenigen vom Miether eigebrachten Sachen, welche der
Vermiether in gutem Glauben für Eigenthum des Vermiethers hält.
Andere, insbesondere Landgerichtsrath Labes a. a. O. S. 225, wollen
den & 1257 und daher auch die §§ 1205 fg. hier nicht gelten lassen und
erklären auf Grund des § 559 Satz 1 unr diejenigen vom Miether eingebrachten
Sachen für Pfand des Vermiethers, welche jenem zu eigen
gehören.
Der § 559, aus dem BGB. Buch 2 Abschn. 7 Tit. 3 Nr. 1 „Miethe“,
läßt den Vermiether ein Psandrecht haben „au den eingebrachten Sachen
des Miethers.“ 8 1257, aus dem BGB. Buch 3 Abschn. 9 Tit. 1
„Pfandrecht an beweglichen Sachen,“ steht zwischen den allgemeinen und
den besonderen Vorschriften dieses Titel 1, von welchen die ersteren im
* 1204 das Wesen eines durch Bestellung entstehenden Pfandrechts, in
den 88 1205—1207 diese Bestellung und in den §§ 1208—1256 die
Wirksamkeit und sonstige Verhältnisse eines bestellten Pfandrechts feststellen;
7* 1257 besagt: „Die Vorschriften über das durch Rechtsgeschäft bestellte
Pfandrecht finden auf ein kraft Gesetzes entstandenes Pfandrecht Anwendung.“
§ 1207 aber besagt: „Gehört die Sache nicht dem Verpfänder,
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