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befürchten. Vollends, wenn wir selbst kommen, können wir die
Burschen, die zögernd anf der Straße stehen, dreist aussordern,
mit einzutreten . . . .
Noch gilt hier im Volksbewußtsein die alte Ordnung, daß
ein gefallenes Mädchen nicht mehr in die Spimnichte kommen
arf . . . . . In vielen Gemeinden unserer Gegend ist diese Zucht
ehlichůch die einzige mit realer Wirkung, d. h. niit Ausschluß
aus der Gemeinschaft. Kirchenzucht steht meist nur aus dem Papier,
da es nur sehr vereinzelt vorkommt, daß ein Gemeindekirchenrat
die ihm in dieser Beziehung zustehende Befugnis in Anwendung
bringt. Solch eine Instanz der Zucht, die in der alten Volkssitte
wurzelt, sollte uns sehr wertvoll sein, und es ist zu bedauern, daß
neue Einflüsse diese Instanz lahm zu legen beginnen. Soweit es
angeht, versuche ich dies zu verhindern . .. Einigemale war diese
Regel in einer oder der anderen Spinngesellschaft durchbrochen
worden .. . es schien mir nun angczeigt, die Gemeinde von der
Kanzel an die alte Ordnung zu erinnern. Das war ersolglos.
Ich glaubte nun, in diese Spinnichte nicht mehr gehen zu
dürsen. Von manchem ihrer Mitglieder wurde mein Fernbleiben
schwer empfunden . .. Gegen das Frühjahr wurde dann eine
der Gesallenen und einc anderc, die in ihre Fußtapsen getreten
war, ausgeschlossen. Ich bin dann wieder in dieser Spinnichte
gewesen und konnte es spüren, wie man sich darüber freute. Die
alte Einrichtung erweist sich also immer noch als eine Instanz der
Zucht unter der erwachsenen Jugend. Das sollte man hoch anschlagen
. . .. Es kann sein, daß an manchen Orten durch die
Versäumnisse der betressenden Instanzen die Spinnichte so verwildert
und roh geworden ist, daß der Pastor nicht hingehen kann.
Dann wird er mit andern Mitteln, indem er als Seelsorger auf
die Eltern und auch auf die jungen Leute selbst einwirkt und
indem er die besseren Elemente gelegentlich ins Pfarrhaus einladet
lohne gerade einen Jungsrauen-Verein neuen Stils zu
bilden) und sie an eine edlere Geselligkeit gewöhnt, den sittlichen
Stand der Spinnichte zu heben juchen .... Bei dem Besuch der
Pfarrtöchter in der Spinnstube ist die Voraussetzung, daß sie den
nötigen Takt in vollem Maße besitzen. Vor allem dürsen sie sich
ihrer höheren Bildung wegen nicht vornehm über die Dorsmädchen
stellen. Alles herablassende Wesen würde den Ersolg verhindern.
Die Liebe Christi, welche dem Kastengeist wehrt, ist in dieser Beziehung
die beste Lehrmeisterin. Andrerseits gewährt sie einen
starken Schutz gegen alles Gemeine. Auch unsere Dorfjugend hat
dafür ein seines Gesühl. Unsere Töchter brauchen gar nicht als
Vertreterinnen einer besonderen Frömmigkeit zu kommen, sondern
können sich selbst in harmloser Fröhlichkeit geben, wie sie sind, ihre
Auwesenheit setzt dem fröhlichen Treiben der Jugend bestimmte
Grenzen, von deren Verletzung ich hier nie etwas erfahren habe.
Hier sind es die Psarrtöchter, welche bei dem Besuche der Spinnichte
dort den Ton angeben. Sie lesen eine Geschichte vor, die meist mit