Full text : Wegweiser für Ländliche Wohlfahrts- und Heimatpflege.

—  130  —

2.  Der  eigentlich  geschicht  liche,  der  die  volitische,  kirchliche
  und  Schulgeschichte  enthält.

3.  Der  kultur=  und  sittengeschichtliche.  Der  erste
kann  natürlich  nicht  zu  umfangreich,  der  letztere  aber  follte  ja  nicht
zu  stiefmütterlich  behandelt  werden.  Er  ift  ein  Hauptteil.

Eine  ähnliche  ausführliche  Stosfeinteilung:

a)  Geschichte  der  Dorfflur:  Größe,  Topographie  der
Gemarkung,:  Siedelungsform:  Allmende;  Holz,  Wasser,
Weide,  Arten  und  Entwicklung  der  Ackernutzung,  alte  Wege;
Verkoppelung:;  Naturschönheiten;  Bemerkenswerte  Bäume
und  Steine  (z3.  B.  erratische  Blöcke,  Verkehrtlinden,  Zwieselbäume):

  Aussterbende  Bäume  (Eibe,  Elsbeere);  Meliorationen;


b)  Geschichte  der  politischen  Entwicklung:  Sou.
veränität;  Kriege;  Aufstände:  Denkmäler;  Wappen;

c)  Geschichte  der  rechtlichen  und  wirtschaftlichen
  Entwicklung:  Lehns-  und  Hörigkeitsverhältnisse;
  Rechtsprechung;  alte  Gerichts.  und  Richtstätten;  Abgaben
  und  Steuern;  Gemeinde-  und  Privateinkünfte;  wirtschaftliche
  Lage  und  Verkehrsverhältnisse;  Wirtschaftserträge;
  Hausmarken;

d)  Geschichte  der  sozialen  Entwicklung:  Besitverhältnisse:
  Gerechtsame:  Gemeindeordnung:  Dienstboten:
Erfolge;  Nahrungsstand:  Wirtshaus:;  Körperbau;  Zuzug:
Familiengeschichte:  Kindererziehung;

e)  Geschichte  der  geistigen  Entwicklung:  Kirche:
Schule:  Sekten;  berühmte  Leute:  Anteilnahme  an  geistigen
Bewegungen;  Lehrbefriedigung:

)  Geschichte  der  kulturellen  Entwicklung:  Vorceschichtliche
  Grab-  und  Kultusstätten,  daraus  bezügliche
Sagen  und  Gebräuche;  Trachten:  Bauten;  zu  beachten  find
Rund-  und  Schleifrillen  an  den  Kirchen;  Architektonik:
Gesundheitspflege;  Bildschmuck  in  Haus  und  Kirche;  Kunstund
  Hausfleiß;  Werkzeuge:  Geräte:  Schmuck;  Waffen:
Möbel;  Schnitzerei;  Essen  und  Trinken:

6o)  Geschichte  der  ethisch=  in  dividuellen  Entwicklung:
  Sitte  und  Unfitte:  Inschriften;  Lied,  Gesang
und  Spiel:  Aberglaube;  Fefte:  Sprache:  Dorf-  und  Volkscharakter;
  Neckereien;  Spottnamen:  Dorffriedhof.

Wie  kann  die  Ortsgeschichte  ihren  Zweck  ausführen?  Selbstverständlich
  nur,  wenn  sie  zur  Kenntnis  der  Gemeinde  kommt.  Dies
geschieht  am  besten  anchtt  in  Familienabenden  durch  Vorträge.
Es  gibt  keinen  besseren,  interessanteren  und  dankbareren  Stoff  für
diese,  als  den  ortsgeschichtlichen.  Aber  das  gesprochene  Wort  verfliegt,
  littera  scripia  manetl;  deshalb  suche  man  sie  gedruckt  in  die