460 Das Verhalten der Bamberger.
Regierungen letzterer durchaus geneigt, Anknüpfungspunkte zum Einlenken zu suchen und
zu benutzen; nur die Gesandten von Bayern und Sachsen haben in der Art eine Zurückhaltung
gegen mich beobachtet, daß sie über die Intentionen ihrer Regierungen noch gänzlich
im Unklaren zu sein erklärten. Ich habe es mir angelegen sein lassen, in Ausführung
des Erlasses vom 16. Juni¹) Nr. 38 die Überzeugung zu verbreiten, daß ein irgendwie bedingter
Beitritt auf ein Entgegenkommen von unserer Seite auf keine Weise zu rechnen
habe, und es scheint mir, als ob die Beteiligten, mit Ausnahme der beiden genannten Regierungen,
mehr bemüht sind, einen schicklichen Weg zum Einlenken, als die Mittel zum ferneren
Widerstand zu finden. Ich darf voraussetzen, daß E. E. Erklärungen, welche meine
Annahme bestätigen, vorliegen, und daß die große Mehrzahl der Bundesstaaten ihre Bereitwilligkeit,
im Schoße der Bundesversammlung dem Bündnis beizutreten, in kurzem aussprechen
wird; wenn diese Erklärungen zum Teil in allgemeinen und nicht durchaus präzisen
Ausdrücken gefaßt sein sollten, so würde m. u. E. aus diesem Umstande für die beiden Großmächte
kein Grund erwachsen, die Anbringung der Sache am Bunde aufzuhalten, indem ich
nicht zweifele, daß die Schwerkraft der Ereignisse und der diesseitigen Machtverhältnisse in
dem jetzigen Stadium die Entschließungen der Bundesversammlung in das von den beiden
Großmächten vorgezeichnete Geleise drängen wird. Ganz unumwundene Erklärungen am
Bunde, dem Vertrage beizutreten, erwarte ich allerdings nicht von allen Seiten, teils
wegen der Schwierigkeit, aus der in Bamberg eingenommenen Stellung mit Anstand einzusenken,
teils auch wegen der Zweifel, die darüber obwalten, ob eine einfache Beitrittserklärung
von seiten der Bundesversammlung dieser letzteren als dem dritten Kontrahenten
im Vertrage ganz dieselben Rechte zusichern würde, wie den beiden ursprünglichen
Paziszenten, d. h. ob das Einverständnis der Bundesversammlung ebenso gut wie das von
Preußen oder Österreich für gewisse Fälle vorbehalten bleibt, oder ob der Konsens der
Großmächte unter allen Umständen ausreichend ist, um ohne weitere Befragung der
Bundesversammlung den casus foederis festzustellen. Meines g. Dafürhaltens dürfte es
nicht einmal in unserem Interesse liegen, diese Frage schon jetzt zum Nachteil der Bundesversammlung
zu entscheiden und uns dadurch eines Mittels der Hemmung und des
Widerstandes gegenüber von Österreich zu begeben, von dem sich noch nicht voraussehen
läßt, ob und inwieweit wir eines solchen bedürfen würden.
Ich habe schon vor einigen Tagen durch den Regierungsrat Zitelmann eine Anfrage
an die Zentral-Preßstelle richten lassen, ob dort von einem durch die in Bamberg vertretenen
Regierungen beabsichtigten Kongreß etwas bekannt sei; ich habe nunmehr mit
Sicherheit folgendes erfahren, was E. E. vielleicht durch anderweite Mitteilungen bestätigt
finden. Die in Bamberg versammelten Minister haben vor dem Auseinandergeben
die Verabredung getroffen, nach Eingang der Rückäußerung von Preußen und
Österreich und im Falle diese sich nicht durch ein einfaches Ja oder Nein auf telegraphischem
Wege beantworten ließe, sich von neuem und zwar hierselbst zu versammeln. Dieser
Zeitpunkt wäre nun jetzt allerdings eingetreten, indes hat man auf die Ausführung des
Planes verzichtet, weil man nachgerade die Überzeugung gewonnen hat, in Bamberg sein
Ziel überschossen zu hbaben. Man ist dort augenscheinlich nicht darauf gefaßt gewesen, in
Berlin so wenig Anklang zu finden und von Wien so entschieden zurückgewiesen zu
werden. Sowohl hierdurch, als durch die laute Manifestation der öffentlichen Meinung
ist man von dem durch die lange Friedenszeit geförderten Souveränitätsschwindel zu
¹) Ausfertigung hat Januar. Kohl bringt das richtige Datum.