Metadaten : Der Deutsche Reichstag.

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unten  fing  zwar  schon  an  zu  brausen,  aber  die  Wellen  haben  sich  von
selber  wieder  gelegt,  die  ausgestreckte  Hand  zieht  sich  langsam  zurück
und  der  Körper  nimmt  die  frühere  Positur  wieder  an.

Unter  den  Mitgliedern  des  Bundesrates  sind  die  regelmäßigsten
Gäfste  der  Vorsitzende  des  Bundeskanzleramtes  Delbrück,  der  sächsische
Staatsminister  Friesen  und  der  Kanzler  Graf  Bismarck.  Oder  soll
man  sagen:  General  Bismarck?  Denn  den  Degen  legt  er  immer  seltener
ab.  Früher  sah  man  ihn  häufiger  in  Civil.  Es  giebt  viele,  welche
den  Kanzler  nicht  gern  im  steifen  Kragen  sehen.  Zwar  hat  er  eine
militärisch  straffe  Haltung,  eine  hohe,  stattliche  Figur,  auch  giebt
der  starke  Schnurrbart  dem  sonst  glatt  rasierten  Gesichte  einen  etwas.
martialischen  Anstrich,  und  das  spärliche  graue  Haupthaar  des  Zweiundfünfzigers
  mit  der  durch  den  Kladderadatsch  klassisch  gewordenen
Platte  macht  auch  gerade  keinen  Anspruch  darauf,  ein  besonders
charakteristisches  Merkmal  des  Civilstandes  zu  sein.  Indessen  eine
gewisse  Beweglichkeit  dieser  Figur,  zu  der  die  vornehme  Haltung
trotz  aller  Kühnheit  hinneigt,  die  Gebärden  des  Diplomaten,  des
Ministers,  des  parlamentarischen  Redners  scheinen  besser  das  Jackett
oder  den  schwarzen  Frack  zu  vertragen.  Die  Physiognomie,  die  gewölbte
  Stirn,  die  bläßliche  Gesichtsfarbe  verraten  mehr  den  denkenden,
vielfach  geistig  angespannten  Staatsmann,  als  einen  Militär,  der,  wenn
es  auch  ein  zweiter  Moltke  wäre,  doch  die  durchwachten  Nächte  auf
freiem  Felde  wieder  gut  macht,  d.  h.  die  Wangen  rot  erhält.  Wenn
Bismarck  spricht,  wenn  er  leicht  nach  vorn  übergebeugt,  in  seinem  nicht
ganz  mühelosen  Redeflusse  sich  gehen  läßt  während  der  gründlichste
staatsmännische  Ernst  in  seinem  Innern  arbeitet,  wenn  er  bald  mit
dem  Scheine  undiplomatischer  Indiskretion  sich  umgiebt,  bald  die  Vorsicht
  merken  läßt,  mit  der  er  bei  Punkten  vorbeistreicht,  welche  dem
Uneingeweihten  verschwiegen  bleiben  sollen,  wenn  er  beißenden  Hohn
mit  gutmütigen  Scherzen  wechseln  und  mitten  in  einem  leidenschaftlichen
  Feuer  die  unversiegbare  Quelle  seiner  Bonmots  sprudeln  läßt:
dann  kann  man  sich  des  Eindrucks  nicht  erwehren,  daß  ein  wirklicher
General  anders  sprechen  und  sich  gebärden  würde.  Man  denkt  unwillkürlich
  an  den  preußischen  Kriegsminister,  der  in  Haltung,  Rede
und  Denkungsweise  Soldat  ist.  Es  lassen  sich  kaum  in  ihrem  Auftreten
  verschiedenere  Naturen  denken,  als  die  beiden  Kollegen  Roon
und  Bismarck.  Der  Kriegsminister  spricht  immer  in  der  festen,  klaren
Sprache,  welche  das  Bewußtsein  ausdrückt,  daß  die  Sache,  die  er  vertritt,
  eine  unerschütterliche  ist,  weil  Sr.  Majestät  es  so  will.  Man
hört  immer,  wenn  er  mit  seiner  tiefen,  kräftigen  Stimme  ohne  jegliche