Metadata : Protokolle der im October 1873 im Königlich Preußischen Unterrichts-Ministerium über verschiedene Fragen des höheren Schulwesens abgehaltenen Conferenz.

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ausreichenden  Veranstaltungen  für  die  pädagogische  Ausbildung
der  Lehrer  an  höheren  Schulen  eingehender  zu  besprechen.
Er  gab  zu,  daß  Elementarlehrer  in  manchen  Fächern  besser  zu
unterrichten  verständen  als  wissenschaftlich  gebildete  Lehrer,  fand
aber  die  Ursache  für  diese  Thatsache  allein  in  der  besseren  pädagogischen
  Schulung  der  ersteren.  Er  wolle,  wenn  er  eine  gründlichere
pädagogische  Ausbildung  der  wissenschaftlich  gebildeten  Lehrer  fordere,
nicht  derjenigen  pädagogischen  bildung,  das  Wort  reden,  welche  in
einer  Aneignung  von  didaktischen  Manieren  bestehe,  die  man
unrichtig  als  Methoden  bezeichnet  habe;  aber  das  müsse  gefordert
werden,  daß  jeder  junge  Lehrer  in  sein  Amt  mitbringe  eine  Bekanntschaft
  mit  den  pädagogischen  Grundbegriffen  und  die  Fähigkeit,
sein  Thun  in  der  Schule  denkend  in  Beziehung  zu  setzen  zu  dem
letzten  Zwecke  aller  Exziehung,  daß  er  mit  dem  Wesen  der  Unterrichtsmethoden
  und  der  verschiedenen  Lehrformen  sowie  mit  ihrer
gegenseitigen  Beziehung  vertraut  sei.  Auch  die  tüchtigste  Kenntniß
des  Unterrichtsstoffes  befähige  nicht  dazu,  ihn  in  einer  den  pädagogischen
  Zwecken  entsprechenden  Weise  zum  Eigenthume  des  jugendlichen
  Geistes  zu  machen.  Wohl  könne  die  bewährte  Tradition  der
Schulen  den  Mangel  pädagogischer  Bildung  theilweis  ausgleichen;
aber  gerade  die  Realschulen  entbehrten  einer  solchen  Tradition
noch,  und  die  aus  den  Gymnasien  kommenden  Realschullehrer  hätten,
vielfach  nicht  zum  Heile  der  Realschule,  die  Gymnafialtradition  in
die  Realschule  verpflanzt.  Auf  den  meisten  preußischen  Universitäten
werde  kein  pädagogisches  Collegium  gelesen  oder  es  werde  von
Männern  gelesen,  welche  der  pädagohischen  Praris  allzu  fern  ständen.
Dem  entspreche  denn  auch  in  der  Regel  das  pädagogische  Wissen,
welches  die  Candidaten  zur  Prüfung  Dro  facultate  dorendi  mitbrächten.
  Zu  den  pädagogischen  Vorlesungen  müßte  aber  auch
eine  genügende  Gelegenheit  zur  Einführung  in  die  pädagogische
Praxis  kommen.  Von  der  letzteren  wolle  er  hier  dahingestellt  sein
lassen,  ob  die  Universitäten  der  rechte  Ort  für  sie  seien.  Ohne  die
Wirksamkeit  der  bestehenden  pädagogischen  Seminare  zu  verkennen,
müsse  doch  nach  dieser  Richtung  weit  mehr  gefordert  werden;  es
seien  in  größerer  Zahl  pädagogische  Seminare  mit  Uebungsschulen
zu  gründen,  wie  sie  in  Jena  und  Leipzig  seit  langer  Zeit  mit  großem
Segen  wirkten,  und  wie  sie  außer  Deutschland  theils  beständen,
theils  gegründet  werden  sollten.  Zum  Schlusse  verwies  er  auf
dahin  gehörige  Verhandlungen  der  unlängst  zu  Gera  abgehaltenen
Realschullehrer-Versammlung.  -

Die  zu.  Nr.  4  der  Vorlage,  den  Lehrplan  der  Gymnasien  betreffend,
  von  dem  Referenten  (Bonitz)  aufgestellten  allgemeinen
Grundsätze  fanden  vielfach  Billigung.  Nur  wurde  von  Dir.  Östen-