394 Die Funktionen des Staates.
Nach dem Gegenstand der Besteuerung. Hier sind unterschieden
die auf Vermögen und Einkommen und die auf wirtschaftliche Handlungen
gegründeten Steuern.
Nicht mit dem letzteren Unterschiede zusammenfallend ist der
Gegensatz der direkten und indirekten Steuern. Letztere treffen ebenfalls
das Einkommen, aber nur mittelbar, indem aus gewissen wirtschaftlichen
Vorgängen ein Merkmal für die Steuerfähigkeit entnommen
wird.
Schließlich tritt bei einzelnen Steuern der Gegensatz in der Art
der Erhebung hervor, so z. B. Fabrikatsteuer und Monopol u. s. w.
Als besondere Form der Erhebung für sehr verschiedene Abgaben
kommt der Stempel vor, ein auf Papier gedrucktes, von öffentlicher
Autorität herrührendes Wertzeichen. Der Stempel ist keine
materielle Art von Steuern, sondern eine Form, in welcher Staatseinnahmen
— auch Gebühren — zur Hebung gelangen.)
Die indirekten Steuern sind im großen und ganzen dem Reiche
überlassen (ovgl. unten § 83); daneben werden einzelne derselben —
Wein, Bier, Schlachtsteuer u. s. w. — noch von den Staaten und
Kommunen erhoben.
Im wesentlichen aber sind die Einzelstaaten auf die direkten
Steuern angewiesen. Das direkte Steuersystem umfaßt in Preußen
die Grund= und Gebäudesteuer, die Gewerbesteuer (einschließlich der
Eisenbahn= und Bergwerksabgaben), die Klassen= und Einkommensteuer.
In anderen Staaten bestehen außer oder neben einer allgemeinen
Einkommensteuer Gewerbe= und Erwerbs= (Lohn-, Besoldungs)steuer
und Kapitalrentensteuer.
Als Verkehrssteuern finden wir hauptsächlich Stempelsteuern,
die Kauf= und Liegenschaftsaccise 2c. Die wichtigste der Verkehrssteuern
ist die Erbschaftssteuer, welche regelmäßig nur die Seitenverwandten
und Nichtverwandten des Erblassers trifft.“ Eine
Doppelbesteuerung derselben Person bezw. desselben Objektes in
verschiedenen Bundesstaaten ist durch Reichsgesetz vom 13. Mai 1870
ausgeschlossen.
!1 N. L. 11 S. 783; vgl. die : Bacher, Erbschaftssteuern
gl.
Stempelgesetze: G. Meyer, II11886). .
S. 178. * N.L. 1 S. 562.