Volltext : Großherzoglich Sachsen Weimar-Eisenachisches Regierungs-Blatt aufs Jahr 1817. (1)

264  Ratification  der  Zollvereinsverträge.  1867

verblendet,  rief  Mohl,  muß  ein  Süddeutscher  sein,  wie  arm  an
Herz  für  sein  biederes  Volk,  für  sein  schönes  Vaterland,  um
es  hingeben  zu  wollen  an  die  Oberherrschaft  des  preußischen,
unserem  Volke  im  innersten  Herzen  antipathischen  Volksstammes.
  Die  Herrschaft  Preußens  über  Deutschland,  hieß
es  an  einer  andern  Stelle,  würde  ein  nach  seinem  Ursprung
und  dessen  gesellschaftlichen  Folgen  halbslavisches  Wesen  zur
Geltung  bringen  und  dem  auf  ganz  anderen  gesellschaftlichen
Grundlagen  beruhenden  freiheitlicheren  Wesen  der  rein-deutschen
Stämme  Süddeutschlands  nicht  entsprechen.  Dies  wird  nun
nach  allen  Seiten  weiter  ausgeführt.  In  Schwaben  ist  Alles
edel  und  schön,  eine  herrliche  Natur,  ein  fruchtbarer  Boden,
ein  freies  Volk,  ein  fester  Rechtsstaat,  eine  glorreiche  Bildung
bis  hinauf  zu  den  Geistesheroen,  dem  Wieland,  dem  Schiller,
dem  Uhland,  dem  Auerbach,  und  allen  Andern.  Dagegen
in  der  norddeutschen  Tiefebene  zeigt  sich  ein  armer,  sandiger
Boden,  das  dürre  Land  vertheilt  unter  hochmüthige  Junker
mit  Schaaren  von  dürftigen  Tagelöhnern,  der  Staat  ein
Erzeugniß  von  rastloser  Eroberung,  von  Blut  und  Eisen,
das  Volk  gequält  durch  eine  erdrückende  Militär=  und  Steuerlast,
  im  Heere  geplagt  durch  adlige  Officiere,  und  in  der
Verwaltung  durch  adlige  Landräthe;  die  Regierung  allmächtig
gegenüber  der  Volksvertretung,  despotisch  gegen  ihre  Bundesgenossen,
  beunruhigend  für  alle  Nachbarn.  Sie  allein  hat
die  Schuld  an  der  Zersprengung  des  deutschen  Bundes,  unter
welchem  Deutschland  fünfzig  Jahre  lang  glückseligen  Frieden
genossen,  an  dem  blutigen  Bürgerkrieg,  der  Deutschland  in
drei  Fetzen  zerrissen,  an  dem  Niedergang  des  deutschen  Gewerbfleißes
  durch  ihre  die  fremde  Concurrenz  herbeirufenden  Handelsverträge.
  Mit  einem  solchen  Staate  sollten  wir  uns  verbünden?