Volltext : Preußische Geschichte. Erster Band. (1)

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Man  hätte  ebenso  gut  sagen  können,  daß  nur  in  der  Gesellschaft  nutzlose
  und  selbst  gemeinschädliche  Arbeit  ein  Erwerbszweig  werden  kann,  daß
man  nur  in  der  Gesellschaft  vom  Müssiggang  leben  kann  2c.  2c.  —  kurz  den
ganzen  Rousseau  abschreiben  können.

Und  was  ist  „nutzbringende"    Arbeit?  Doch  nur  die  Arbeit,  die
den  bezweckten  Nutzeffekt  hervorbringt.  Ein  Wilder  —  und  der  Mensch  ist
ein  Wilder,  nachdem  er  aufgehört  hat,  Affe  zu  sein  —  der  ein  Thier  mit
einem  Stein  erlegt,  der  Früchte  sammelt  2c.,  verrichtet  „nutzbringende“
Arbeit.

Drittens:  Die  Schlußfolgerung:  „Und  da  nutzbringende  Arbeit
nur  in  der  Gesellschaft  und  durch  die  Gesellschaft  möglich  ist  —
gehört  der  Ertrag  der  Arbeit  unverkürzt,  mit  gleichem  Rechte,
allen  Gesellschaftsgliedern.“

Schöner  Schluß!  Wenn  die  nutzbringende  Arbeit  nur  in  der  Gesellschaft
  und  durch  die  Gesellschaft  möglich  ist,  gehört  der  Arbeitsertrag  der
Gesellschaft  —  und  kommt  dem  einzelnen  Arbeiter  davon  nur  so  viel  zu,
als  nicht  nöthig  ist,  um  die  „Bedingung“  der  Arbeit,  die  Gesellschaft,  zu
erhalten.

In  der  That  ist  dieser  Satz  auch  zu  allen  Zeiten  von  den  Verfechtern
des  jedesmaligen  Gesellschaftszustandes  geltend  gemacht  worden.  Erst
kommen  die  Ansprüche  der  Regierung  mit  allem,  was  daran  klebt,  denn  sie
ist  das  gesellschaftliche  Organ  zur  Erhaltung  der  gesellschaftlichen  Ordnung;
dann  kommen  die  Ansprüche  der  verschiedenen  Sorten  von  Privateigenthum,
denn  die  verschiedenen  Sorten  von  Privateigenthum  sind  die  Grundlagen
der  Gesellschast  2c.  Man  sieht,  man  kann  solche  hohle  Phrasen  drehen  und
wenden  wie  man  will.

Irgend  welchen  verständigen  Zusammenhang  haben  der  erste  und  zweite
Theil  des  Paragraphen  nur  in  dieser  Fassung:

„Quelle  des  Reichthums  und  der  Kultur  wird  die  Arbeit  nur  als  gesellschaftliche
  Arbeit“  oder,  was  dasselbe  ist,  „in  und  durch  die  Gesellschaft“,

Dieser  Satz  ist  unstreitig  richtig,  denn  wenn  die  vereinzelte  Arbeit
(ihre  sachlichen  Bedingungen  vorausgesetzt)  auch  Gebrauchswerthe  schaffen
kann,  kann  sie  weder  Reichthümer  noch  Kultur  schaffen.

Aber  ebenso  unstreitig  ist  der  andere  Satz:

„Im  Maße  wie  die  Arbeit  sich  gesellschaftlich  entwickelt  und  dadurch
Quelle  von  Reichthum  und  Kultur  wird,  entwickeln  sich  Armuth  und  Verwahrlosung
  auf  Seiten  des  Arbeiters,  Reichthum  und  Kultur  auf  Seiten
des  Nicht-Arbeiters.“

Dies  ist  das  Gesetz  der  ganzen  bisherigen  Geschichte.  Es  war  also,
statt  allgemeine  Redensarten  über  „die  Arbeit“  und  „die  Gesellschaft“  zu
machen,  hier  bestimmt  nachzuweisen,  wie  in  der  jetzigen  kapitalistischen  Gesellschaft
  endlich  die  materiellen  2c.  Bedingungen  geschaffen  sind,  welche  die
Arbeiter  befähigen  und  zwingen,  jenen  gesellschaftlichen  Fluch  zu  brechen.

In  der  That  aber  ist  der  ganze,  stylistisch  und  inhaltlich  verfehlte  Paragraph
  nur  da,  um  das  Lassalle'sche  Stichwort  vom  „unverkürzten  Arbeitsertrag“
  als  Losungswort  auf  die  Spitze  der  Parteifahne  zu  schreiben.  Ich
komme  später  zurück  auf  den  „Arbeitsertrag“,  das  „gleiche  Recht“  2c.,  da
dieselbe  Sache  in  etwas  anderer  Form  wiederkehrt.