Full text : Spittler’s sämmtliche Werke. Fünfter Band. (5)

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sie  wegen  Einloͤsung  der  verpfändeten  Domainen  anführten;
aber  wer  da  wußte,  wie  hoch  und  wie  sicher  die  Pfandinhaber
  bisher  ihr  Geld  genutzt  hatten,  der  sah  wohl,  daß  dieser
  Punkt  cin  wahres  Manifest  gegen  den  Adel  sey.  Auch
fast  allein  diesem  wieder  galt's,  wenn  sie  nun  darauf  antrugen,
  daß  künftighin  ohne  Unterschied  der  Person  von  allen
  aus-  und  eingehenden  Waaren  der  See-Zoll  entrichtet,
und  dem  Werthe  der  Waaren  gemäß  nach  gewissen  Prozenten
berechnet  werden  sollte.  Selbst  die  neue  Erbschafts-Steuer,
von  hundert  Reichsthalern  zwei  Prozente,  wen  hätte  sie
mehr  getroffen  als  die  Reichsten  des  Landes?

Ueberall  sollte  dem  Adel  mehr  abgenommen  werden  als
bisher,  und  zugleich  doch  wollten  sie  die  ergiebigsten  Quellen,
  die  er  bisher  reichlich  benutzt  hatte,  seiner  Benutzung
entzogen  oder  trocken  gelegt  wissen.  Was  blieb  dem  Adel
am  Ende  übrig,  wenn  selbst  die  Offiziersstellen  vermindert,
und  manche  andere  ergiebige  Aemter,  die  man  unglücklicher
Weise  entbehren  zu  können  schien,  ganz  eingezogen  wurden?

Die  Deputirte  des  dritten  Standes  schienen  es  überdies
  gar  nicht  zu  verhehlen,  daß  sie  sich,  selbst  bei  einzelnen
Veränderungen,  die  man  etwa  zur  augenblicklichen  Beruhigung
  mache,  nicht  gesichert  glaubten,  sondern  sie  verlangten,
  daß  in  jeder  Provinz  zwei  vom  Börgerstande  neben
zweien  vom  Adel  die  Oberaufsicht  über  Ausgabe  und  Einnahme
  des  Reichs  haben  müßten.

So  war  in  allen  Planen,  die  diese  Schrift  der  staͤdtischen
  Deputirten  enthielt,  ein  unverschonendes  Hinwegsehen
über  alle  bisherigen  Verhältnisse,  die  wirklich  schon  seit  langem
  her  zum  Recht  geworden  zu  seyn  schienen,  oder  von
cinem  Heiligkeitsnebel  verhüllt  wurden,  aus  dem  nur  erbitterte
  oder  hoͤchst  kühne  Menschen  sie  hervorziehen  konnten.