46
sie wegen Einloͤsung der verpfändeten Domainen anführten;
aber wer da wußte, wie hoch und wie sicher die Pfandinhaber
bisher ihr Geld genutzt hatten, der sah wohl, daß dieser
Punkt cin wahres Manifest gegen den Adel sey. Auch
fast allein diesem wieder galt's, wenn sie nun darauf antrugen,
daß künftighin ohne Unterschied der Person von allen
aus- und eingehenden Waaren der See-Zoll entrichtet,
und dem Werthe der Waaren gemäß nach gewissen Prozenten
berechnet werden sollte. Selbst die neue Erbschafts-Steuer,
von hundert Reichsthalern zwei Prozente, wen hätte sie
mehr getroffen als die Reichsten des Landes?
Ueberall sollte dem Adel mehr abgenommen werden als
bisher, und zugleich doch wollten sie die ergiebigsten Quellen,
die er bisher reichlich benutzt hatte, seiner Benutzung
entzogen oder trocken gelegt wissen. Was blieb dem Adel
am Ende übrig, wenn selbst die Offiziersstellen vermindert,
und manche andere ergiebige Aemter, die man unglücklicher
Weise entbehren zu können schien, ganz eingezogen wurden?
Die Deputirte des dritten Standes schienen es überdies
gar nicht zu verhehlen, daß sie sich, selbst bei einzelnen
Veränderungen, die man etwa zur augenblicklichen Beruhigung
mache, nicht gesichert glaubten, sondern sie verlangten,
daß in jeder Provinz zwei vom Börgerstande neben
zweien vom Adel die Oberaufsicht über Ausgabe und Einnahme
des Reichs haben müßten.
So war in allen Planen, die diese Schrift der staͤdtischen
Deputirten enthielt, ein unverschonendes Hinwegsehen
über alle bisherigen Verhältnisse, die wirklich schon seit langem
her zum Recht geworden zu seyn schienen, oder von
cinem Heiligkeitsnebel verhüllt wurden, aus dem nur erbitterte
oder hoͤchst kühne Menschen sie hervorziehen konnten.